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biographie & autobiographie

autobiographie der nicht-schreiber und schreiberinnen 
... das interesse, welches auto-biographischen texten bis heute  entgegengebracht wird, hängt vermutlich mit den überzeugungen zusammen, dass es sich um eine wörtliche rede handele, die direkt von den betroffenen ausgehe und deshalb sowohl ihre weltanschauung als auch ihr stilempfinden reflektiere ...
wenn oder sobald lesende das vorhandensein einer oder der besonderen schreibweise entdecken, mindert diese arbeit am sprachlichen ausdruck - sofern sie von der autorin selbst stammen - nicht im geringsten die authentizität der botschaft, ja erhöht möglicherweise sogar deren wert als mehrwert



nun, das konstrukt des autobiografischen (welches auch vertrag oder autobiographischer pakt genannt wird) kann bewirken, dass verwechselungen entstehen; und zwar zwischen dem Autor oder der Autorin, dem Erzähler und der Erzählerin sowie dem »Modell«, welche die Wahrnehmung der Schreibweise begünstigen und quasi zu neutralisieren versuchen, um diese transparent und durchsichtig zu machen. Dies Verschmelzung vollzieht sich durch die Markierung als Autobiographie, auf der Ebene der Gattungszuordnung des Buches, welches nicht immer rot sein muss



Im Unterschied zur apokryphen Autobiografie, 
(wie zum Beispiel die tagebuchartigen Aufzeichnungen von »Elsbeth von Oye«, die handschriftlich in Ich-Form ihre Visionen und Begegnungen mit Gott beschreiben, die sie durch Selbstgeißelung,  Selbstkasteiung und Fasten sah und behauptete, diese durch Gott empfangen zu haben und Teile des Oetenbacher Schwesternbuchs sind)
wird durch die in Zusammenarbeit verfasste Autobiographie, wie sie heutzutage in mehr oder weniger offen bekannter #Form praktiziert wird, eine Störung im System verursacht. Dadurch werden wir daran erinnert, dass das »WAHRE« selbst nur ein #ARTEFAKT ist und dass der »Autor« oder die »Autorin« ein Ergebnis des oben erwähnten Vertrages zur Lektüre ist und Paktes bleibt. (Eine Textsorte zwischen der Autobiographie und Biographie, wobei unterschiedliche #Formen möglich sind, die alle letztendlich eine Form von Zeugnis darstellen). Die Arbeitsteilung zwischen mindestens zwei »Personen« offenbart die Vielzahl der beim Verfassen einer Autobiographie mitwirkenden Instanzen, welches allgemein vermutlich für jeden Schreibprozess gilt. Hierdurch wird nicht die Einheit der authentischen Autobiographie nachgeahmt, sondern deren indirekte und kalkulierte Verfasstheit, Geste sowie Gestimmtheit unterstrichen 



Ich bin immer mehrere, wenn ich ich schreibe, sogar wen ich das ganz alleine tue und sogar wenn der Gegenstand das »Menschenbild« sein wird. Es handelt sich hier- oder dabei nicht um innere Gespräche eines gespaltenen oder unbewussten Ichs, sondern um die Artikulation der Phasen der Schreibarbeit, der Zeichnung oder auch Malerei, welche verschiedene Haltungen voraussetzt und den Schreibenden sowohl mit dem Feld der bereits geschriebenen Texte in Verbindung setzt als auch mit dem Bedürfnis oder Gefühl, welches befriedigt oder befriedet sein möchte



Indem für eine relative Isolierung der Rollen gesorgt wird, stellt die in Zusammenarbeit verfasste Autobiographie den Glauben an eine Einheit in Frage, auf welcher in der Gattung der Autobiographie die Konzepte des Autors und der Person basieren. Diese derartige Schreibarbeit ist überhaupt nur möglich, weil die Schreibarbeit und -werkstatt immer verschiedene Teile aufweist, auch wenn die Schreibenden sich dessen nicht (sofort) bewusst sind, weil sie selbst Rollen übernehmen. Jede Person, die beschliesst, ihr Leben aufzuschreiben, verhält sich so, als wäre sie ihr eigener Ghostwriter.

1.  Ghostwriter pflegen keine Notizen über ihre Quellen anzufertigen

2.  für die Modelle (d.h. die Personen, deren Leben in der Autobiographie erzählt wird) ist nur das fertige schriftliche Produkt von Bedeutung. (Und Verlage haben kein Interesse daran, offenzulegen in welcher Art und in welchen Umfangs die vorgenommene Schreibarbeit war)

3.  Das Modell hat die Aufgabe, zu sagen, was es weiss, und auf die Fragen zu antworten; von einer Verantwortung dafür ist es vorläufig befreit. Aufgrund der blossen Tatsache, dass der Andere zuhört, Notizen macht, Fragen stellt und sich später um die Strukturierung kümmert, wird das Modell auf die Funktion einer #Quelle reduziert. Es kann daher dem Erinnern freien Lauf lassen, unberührt von den Zwängen, die mit einer schriftlichen Kommunikation verbunden sind

4.  Die Redakteure übernehmen demgegenüber sämtliche Aufgaben der Strukturierung, Inszenierung und Kommunikation mit der Aussenwelt. Verdichten, zusammenfassen, Überflüssiges beseitigen, Relevanz-Achsen auswählen, eine Ordnung und Reihenfolge festlegen. Aber auch eine Äusserungsform wählen, einen bestimmten Ton, eine Art von Beziehung zum Lesenden (Zuschauenden, Zuhörenden, Beobachtenden). In jedem Fall die Instanz dessen zu erarbeiten, der aus der Ich-Perspektive spricht oder der gerade zu schreiben scheint

5.  Das Leben eines Menschen kann ohne Zweifel sehr gut durch Erzählung eines anderen Menschens präsentiert werden. Oder was noch besser ist: Die Wortwahl bzw. der Schreibstil des Modells können von einem Dritten übernommen und verwendet werden. Durch die Entwicklung der modernen Interview-Techniken - welche gleichwohl noch Raum lassen für eine Umformulierung und Neustrukturierung - treten in der Endfassung des Textes - ein Fragesteller oder eine Fragestellerin und ein Befragter und eine Befragte zu Tage, was auch die Möglichkeit zu neuen #Zwischenlösungen eröffnet: Wenn die Intervention kritisch und kreativ ist, dann nähern wir uns der Biographie; wenn diese Intervention aber nur bemüht ist, Sprachrohr des Modells zu sein und dabei diskret in den Hintergrund zu treten, nähern wir uns der Autobiographie. Das Publikum weiss diese Situationen mit einer expliziten Mittelfigur sehr zu schätzen, weil es daran durch Radio und Fernsehen gewöhnt wurde; es kann auf diese Weise das Objekt seiner Begierde (das Leben einer berühmten Person) in einer Art von - im übertragenden Sinne zu verstehendem - Stereoklang geniessen, dass heisst aus einer autobiographischen als auch heterobiographischen Perspektive



Der Autor eines Textes ist meistens diejenige Person, die den Text geschrieben hat; aber das Schreiben allein genügt nicht, um zum Autor zu werden. Im Bereich der in Zusammenarbeit verfassten Autobiographie sind der Verleger (oder der Herausgeber einer bei diesem erscheinenden Buchreihe) mehr als bloss Rädchen im Getriebe; oft geht die #Initiative von ihnen aus, und sie übernehmen beträchtliche Verantwortung für die Existenz und sogar Struktur des Buches. Es ist zwar gut, auf diese Weise das Konzept der #Verantwortung und das der #Produktion zu erweitern; aber dies steht im Widerspruch zum Mythos des Autors, der für das funktionieren des Systems notwendig ist. Das auf dem Autor aufbauende System ist nicht nur eine unverzichtbare Bedingung, sondern auf gewisse Weise auch die zentrale Botschaft der Gattung der Autobiographie



Und wenn nicht gar am Ende der eigentliche Autor das Publikum selbst ist, dessen Wünsche und freiwillige Leichtgläubigkeit (indem es sich gerne betrügen lässt, wenn dabei eine bestimmte literarische #Form gewahrt wird) all diesen Büchern das Gewicht (die Autorität) verleihen, das ihnen andernfalls vielleicht fehlen würde




Auch durch die neuen Bezeichnungen wie ›Nouvelle Autobiographie‹, ›autobiographie postmoderne‹ oder ›autofiction‹ versuchen einige Autobiographietheoretiker*in:nen, die problematisch gewordenen #Ich–Identität und einer #Fiktionalisierung der Gattung Rechnung zu tragen und »den Bruch mit der Tradition nicht im negativen Sinne als Ende«, sondern positiv als Weiterentwicklung der Gattung festzuschreiben. Auch für Michaela Holdenried »ist die Autobiographietheorie (Texte zur Theorie Biographie und Autobiographie, Theorie der Biographie; Intertextualität, Interkulturelle Literaturwissenschaft:en usw.) 
nur durch einen Paradigmen- und Theoriewechsel aus dieser theoretischen Sackgasse zu bewegen«

Von matter birgit

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12 Antworten auf „biographie & autobiographie“

vieles liegt vermutlich daran, dass sich hinter diesen Identitätsproblemen angespannte Kräfteverhältnisse verbergen sowie Zwänge, die mit den Regeln der verschiedenen Kommunikationskanäle zusammenhängen. Das Modell und der Ghostwriter oder zwei Personen können nur durch die Vermittlung den Status des Autors erreichen (bzw. ihn sich anschliessend untereinander streitig machen). Wer möchte und will nicht durch die durchsichtigen Schleier blicken, welche die Textproduktion verhüllen, da ihm das wichtigste (…) // Heutzutage wird im Ghostwriter weniger der »öffentliche Schreiber«, der für andere eintritt oder an deren Stelle agiert, als vielmehr eine Art von Kostümhändler oder Maskenbildner gesehen. Den Spezialisten für Autobiographien entweder »von der Stange« oder »massgefertigt«. Und die Antworten hierauf sind gar nicht so einfach. Zunächst einmal gibt jeder Schreibstil dem Text eine gewisse Färbung, die Anlass zu Vertuschungen, Gerüchten, Skandalen und Nachforschungen gibt

Gefällt 1 Person

vielleicht sind wir alle, wenn wir »erfüllte Individuen« sein möchten, nur die #Figuren in einem Roman ohne Autor. Die #Form der Autobiographie ist zweifellos nicht das Ausdrucksmittel eines prä-existierenden Individuums, ja nicht einmal eine »Rolle«, sondern etwas, das Existenz des »Individuums« seinerseits bestimmt

Gefällt 1 Person

Die Seele stört sich nicht an den Verwirrungen des menschlichen Geistes: ja, solange es nicht zusätzlich Leid, Schmerzen und Terror erzeugt

Die Seele gibt jedem ihre Wohnstatt in Einheit, mit der Wahrnehmung eines, die Umwelt durch die Haut abgrenzenden Leibes: möglicherweise: solange das ich ein Zuhause als Struktur des Raums benötigt: ziemlich wahrscheinlich in den europäischen Kulturen; als Leibsubjekt bin ich vom Fleisch dieser Welt, welches mir vollkommen ausreichend erscheint

Die Seele will keine Nachahmung durch indirekte und kalkulierte Verfasstheit, einer Geste sowie einer Gestimmtheit eines anderen. Ja.

Die Seele will keine invasive Verletzung, durch die spirituelle oder weltliche Dominanz eines anderen. Zwar bin ich manchmal mehrere, doch zur Hauptsache, bin ich wie in der realen Welt, der Schau, im Drama zwar beteiligt, doch ganz für mich alleine. Ja.

Gefällt 2 Personen

Es ist nicht die Seele die Leid, Schmerzen und Terror erzeugt, es ist der Mensch selbst, der im Unbewussten stecken bleibt.
Mein Leib ist Natur, ich bin Natur in der Natur, diese Welt, welche die Nabelschnur zur Nahrung der Leibeinheit uns gereicht.

Gefällt 1 Person

Die Seele packt mich täglich am Schopf, ein vereinfachtes Abbild, über die Wirklichkeit der Seele, durch ihre Traumführung zu schaffen, dessen Form und Beschaffenheit, keinem Massverhältnis entspricht, damit mir selbst durch die Ausführung in Worte und Gedanken, dem Vorhandenen Skript entspricht.

Der Traum führt alle Farben, wobei ich das rot bevorzuge.

Ich bin im Traum zeitlebens noch nie einem Gott begegnet.; obwohl ich dem behaupte, dass alle Götter aus dem Mutterschoss der Seele vor entworfen sind.

Dem Innen, ist das Wahre, der Zweifel beigesetzt.

Die Seele hat noch nie einen Pakt der reinen autonomen Vernunft unterzeichnet.

Die Seele stört sich nicht an den Verwirrungen des menschlichen Geistes.

Die Seele gibt jedem ihre Wohnstatt in Einheit, mit der Wahrnehmung eines, die Umwelt durch die Haut abgrenzenden Leibes.

Die Seele will keine Nachahmung durch indirekte und kalkulierte Verfasstheit, einer Geste sowie einer Gestimmtheit eines anderen.

Die Seele will keine invasive Verletzung, durch die spirituelle oder weltliche Dominanz eines anderen. Zwar bin ich manchmal mehrere, doch zur Hauptsache, bin ich wie in der realen Welt, der Schau, im Drama zwar beteiligt, doch ganz für mich alleine.

Ein Menschenbild muss ich mir nicht anmassen, ich bin Mensch und nichts anderes. Es handelt immer um innere Gespräche eines unbewussten zum Bewusstsein führenden Ichs.

Das Tun durch die Zeichensetzung, welche gar nichts voraussetzt, formt meine Haltung zum hier und jetzt.

Mittelchen der Gewandtheit die ich der Schreibarbeit, der Zeichnung oder auch der Malerei, welche nur meine einfache Haltung als Mensch voraussetzt und noch viel mehr, mit dem schreiben von Noten bewandert, die Musik, die auf mich zukommt, in Verbindung setzt, als auch mit dem Bedürfnis oder dem Gefühl, welches dem Geschaffenen, dem ich nicht der Autor dessen bin, nie befriedigend sein kann.

Aus der Einheit, des gesagten der Seele, stellt sich mir ihre Wirklichkeit aus Äonen, aus ihrem Kosmos, dazu mir keine Frage.

Die Seele stellt zu allem Seienden, in ihren Diensten, ein Anfang und ein Ende. Ich lausche dem Türöffner des Unbewussten, zur Erkenntnis, was die Seele, den Menschen schon immer zu sagen gehabt hat.

Es genügt, wenn jemand Interesse daran hat, dass ich aus meinem Leben meine Geschichte erzähle.

Ich bin der Seele, nicht einmal eine Randnotiz.

Das Formale folgt, der Geschichte, aus dem Kinästhetischen, in einem danach.

Fragen sind an sich obszön, verstehen heisst auf etwas antworten zu können.

Niemand ist die Quelle eines anderen.

Was ich dem anderen bin, ist ein Bild, eine Bewegung, die ihm durch die Verdoppelung in seinem Hirn, als seine Wirklichkeit aufersteht.

Mein Erinnern hat kein freien Lauf, ich bin täglich berührt vom Sagen, was mir die Seele, quer meiner Gedankenwelt mir vorhält.

Mein Gewissen ist der Redaktor in meinem Denk. Das Denken übernimmt sämtliche Aufgaben, die Festlegung einer Ordnung und Reihenfolge in meinem Äußerungen.

Den Ton, den meine Äusserungen im anderen auslösen, den habe ich nicht in der Hand.

Mein Bewusstsein ist nicht die Instanz, zum richtig oder falsch für einen anderen.

Ein Dritter wird nie Zeuge sein, was in mir sich alles tut und geschieht.

Mein ich steht an der Schmiede, an der Esse, am hämmern einer Aussage, auf kleinem Feuer.

Die Mittelfigur zwischen Falschheit und Wahrheit ist immer die Seele. Wer mir zuhört, kann nicht zugleich der Schriftführer meiner Gedanken sein.

Gefällt 1 Person

Ein etwas, was nur in der Vorstellung existiert; etwas Vorgestelltes, Erdachtes als eine literarische Fiktion

Eine bewusst gesetzte widerspruchsvolle oder falsche Annahme als methodisches Hilfsmittel bei der Lösung eines Problems

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