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auszug

"he is writing tweets on a typewriter so please write comments also on a typewriter!"

6 Antworten auf „auszug“

Gibt einen Unterschied zwischen der Ästhetisierung des Alltags und der künstlerischen Erzeugung neuer Beobachtungsmöglichkeiten als Vorgänge die zusammenfallen können, aber nicht müssen.

Mein eigenes Readymade von 1972 zum Vergleich. Die Zigarettenpackung ist nicht einfach als schöner oder interessanter Alltagsgegenstand zur Betrachtung freigegeben. Durch den Eingriff entsteht ein Objekt, dessen gegenständliche Identität und Bedeutung instabil werden. – was war zuerst – Bedeutung oder Gedanke – Idee oder Instabilität Bei einem ästhetisch betrachteten Salzkristallisationsprozess bleibt offen, ob eine vergleichbare Verschiebung war, ist oder wird. These: Die Kunst liegt nicht in der Beliebigkeit ihrer Gegenstände, sondern in der Unterscheidung, die sie durch deren Verwendung ermöglicht.

Wenn die Kunst dadurch gekennzeichnet ist, dass sie nicht als Kunst erscheint, wird kaum noch überprüfbar, weshalb eine bestimmte Tätigkeit Kunst sein soll.

Die Theorie immunisiert sich gegen jede Kritik.

ja, Beliebigkeit allein – „alles kann Kunst sein“ – erzeugt gar keine Differenz; sie verdünnt und verflüssigt die Möglichkeit, etwas als Kunst von anderem [zum Beispiel im Alltag] zu unterscheiden. Kritik, Vorwurf und Urteil, das ist beliebig oder Beliebigkeit Die künstlerische Verwendung erzeugt und bezeugt eine Beobachtung, die ohne sie nicht so möglich wäre. Genau hier wird die »Immunisierung der Theorie« zum Problem. Wenn Kunst dadurch gekennzeichnet sein und werden soll, dass sie nicht als Kunst erscheint, wird der (ihr) Status (in Gesellschaft, Kultur, Alltag, Video, Film, TV, Kino, Internet, Post etc.) kaum noch überprüfbar. Jede Kritik lässt sich zurückweisen mit dem Hinweis, die Tätigkeit sei gerade deshalb Kunst, weil sie nicht als solche erscheine. Der Nachweis und die Abweisung fallen zusammen; die Theorie schließt sich gegen Einwände und Kritik. Das ist kein spezifisches Merkmal einzelner »Praktiken«, sondern eine strukturelle Folge bestimmter Definitionen, die die Unterscheidung Kunst/Nicht-Kunst rein selbstreferentiell fassen und externe Kriterien (Form, Eingriff, erzeugte Beobachtungsdifferenz) suspendieren.

Selbstreferentiell heißt hier, dass die Definition von Kunst nicht mehr auf etwas außerhalb des Kunstbetriebs und Kunstsystems verweist, sondern sich nur noch im eigenen Kreis bewegt.

Dass Kunst in der Unterscheidung liegt, die durch die Verwendung der Gegenstände erst möglich wird – nicht darin, dass man beliebige Dinge einfach als Kunst freigibt.

Duchamps Readymades funktionierten nicht primär durch ästhetische Freigabe, sondern durch eine Designation, die die Kategorien destabilisiert:e. Wenn spätere Positionen die Designation selbst zur reinen Ästhetisierung oder zur bloßen Behauptung werden lassen, ohne dass eine beobachtbare Verschiebung eintritt, bleibt die Unterscheidung leer. Der Text markiert genau diese »Leerstelle«.

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