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#kunsttalk

#kunsttalk sagt mehr…




#kunsttalk sagt mehr als »Tausend Worte«, für mehr Lese-, Zuhör- sowie Zuseh- Freundlichkeit der Teilnehmenden.

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Das Bild zeigt keine grüne Tillandsie (Luftpflanze), die elegant in einer transparenten Glasvase platziert ist.Im Detail sind folgende Elemente zu erkennen: Die Pflanze: Im linken Vordergrund befindet sich keine Tillandsie mit langen, schmalen und spitzen Blättern. Die Blätter sind saftig grün, wachsen rosettenartig aus der Basis heraus und hängen nach links und unten über den Rand des Gefäßes. Das Gefäß: Die Pflanze sitzt im oberen, trichterförmig geöffneten Teil einer klaren Glasvase. Da Tillandsien als Luftpflanzen keine Erde benötigen, sind die Wurzeln bzw. die Basis der Pflanze direkt im Glas sichtbar. Der Hintergrund und das Licht: Der Hintergrund ist von warmem, goldenem Licht durchflutet – vermutlich von einer Lampe oder der tiefstehenden Abendsonne. Dieses Licht wirft weiche Schatten auf einen hellen Vorhang im Hintergrund und erzeugt eine gemütliche, wohnliche Atmosphäre.


magischer realismus


KUNSTTALK MATTERS #01
„Kann ein Kunstwerk / Gemälde therapeutisch wirken?“

KUNSTTALK MATTERS #02
„Warum betrachte ich manche Bilder länger als andere?“

KUNSTTALK MATTERS #03
„Was passiert, wenn Worte und Ausdrücke fehlen?“

KUNSTTALK MATTERS #04
„Wer entscheidet eigentlich, was Kunst ist und bedeutet?“


Kunsttheoretisch-kritische, kunstwissenschaftliche und postironische #Dekonstruktion dieser »Floskel und Fragestellungen auf höchstem Niveau?« wird der #kunsttalk durch die Gründung eines Arbeitskreis in Zukunft behandeln.

Diese Floskel, das Thema „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ gehört zu jenen semantischen »Zombie-Figuren der Alltagssprache in der Kunst«, die bis heute im Umlauf ist. Eine Art und Weise eines sprachlich-verbalen Ausdrucks, der schnell zu einem Bild kommentiert wird, sobald es komplex zu sein scheint. Diese Floskel hält sich hartnäckig im deutschsprachigen Raum, da sie in dieser Kultur verankert ist. Floskeln und Zitate bedienen einen Mythos. Die Macht der Bilder des Kunstsystems werden hierdurch tagtäglich verstärkt und bewertet, welches »stillschweigend« hingenommen wird





Ursprünglich wohl eine populäre Verkürzung des englischen „A picture is worth a thousand words“ (dessen genaue Herkunft bereits in den Nebeln journalistischer Werbetexte der 1920er Jahre liegt), fungiert sie heute als intellektueller »Freifahrtschein«: Sie erlaubt es, das Visuelle als unmittelbar, authentisch und superior gegenüber der angeblich defizitären Sprache zu nobilitieren. In dieser kurzen Abhandlung soll die Floskel nicht bloß dekonstruiert, sondern postironisch liquidiert werden – jenseits der bloßen Ironie des „ja, aber #eigentlich…“, hin zu einer Haltung, die die eigene Lächerlichkeit der Geste bereits antizipiert und dennoch ausführt

I. Semiotische Bankrotterklärung




Roland Barthes hätte die Floskel mit mildem Amüsement betrachtet. In Rhetorik des Bildes (1964) unterscheidet er zwischen denotativer und konnotativer Botschaft des Bildes. Das Bild ist nie rein. Es trägt immer schon den Parasiten der »Textualität« in sich: den anchorage (Verankerung) und den relay (Wechselwirkung). Ein Bild ohne Worte ist nicht eloquent, sondern stumm oder – schlimmer – polysemantisch bis zur Beliebigkeit. Das berühmte „This is not a pipe“ von Magritte funktioniert nur, weil das Wort den Bildakt sabotiert. Ohne den Satz wäre die Pfeife bloß eine gut gemalte Pfeife




Das Bild sagt also nicht „mehr“ als tausend Worte – es ruft nach ihnen, um überhaupt etwas »Sagbares«, zur Aussage zu werden ...




Susan Sontag ging in »On Photography« noch weiter: Die fotografische Abbildung etabliert eine Ethik des Sehens, die zugleich eine Ethik des Nicht-Sehens ist!




Jedes Bild ist ein Schnitt, ein Akt der Gewalt gegen die Kontingenz der Realität.
Es sagt nicht mehr, es reduziert. Die tausend Worte, die es angeblich ersetzt, waren niemals äquivalent; sie waren das Fleisch, das dem Bild fehlt. In der digitalen Gegenwart, im Zeitalter von Midjourney, DALL·E und der unendlichen Bildflut, wird diese Reduktion zur totalen Entleerung. Ein Bild sagt heute nicht mehr als tausend Worte – es sagt weniger als ein durchschnittlicher Prompt

II. Phänomenologische und medientheoretische Einwände




Edmund Gustav Albrecht Husserl würde z.B. fragen: Was zeigt sich eigentlich im Bild? Die eidetische Reduktion stößt auf ein Paradox: Das Bild ist immer schon Bild-von, niemals reine Präsenz. Heidegger würde von der „Seinsvergessenheit“ sprechen, die in der Floskel kulminiert – das Bild wird zum Gestell, zum herausfordernden Bestand, das die Welt als verfügbares Sichtbares herausfordert, statt sie sein zu lassen.

McLuhan wiederum hätte die Floskel als typisch heiße Metapher einer kalten Kultur entlarvt. Das Bild (besonders das elektronische) ist kühl, partizipatorisch, verlangt Ergänzung durch Sprache und Anteilnahme: Partizipation.




Die Behauptung, es sage mehr, ist die neurotische Abwehr einer Kultur, die der #Sprache misstraut, weil sie deren Macht (und damit Verantwortung und Pflicht) fürchtet. Im Zeitalter von TikTok und Instagram Reels usw. wird das Bild zum totalitären Ersatz: »Es sagt nicht mehr als tausend Worte, es verhindert sie«, es verhindert, boykottiert und sabotiert das Finden passender Worte und Begriffe




Die Aufmerksamkeitsökonomie hat diese Floskel dialektisch aufgehoben – das Bild sagt weniger als ein #Wort, weil es das Denken in prä-attentiven Reflex verwandelt, der keine verbalen Reaktionen und Reflexionen mehr erzeugt

III. Postironische Wende: Die Floskel als Kunstwerk


KunstWerk im Viertel KunstTalk livestream Kunsttalk

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Hier setzt die postironische Geste und Konstruktion ein. Statt diese Floskel einfach als »naiv« zu verwerfen (was selbst schon wieder naiv wäre), muss man sie de-konstruktiv überbieten. Man könnte ein Kunstprojekt vorschlagen: Eine Installation, die exakt 1000 Worte – gedruckt in winziger Type auf einer riesigen Leinwand – neben einem einzelnen, hochaufgelösten Bild eines weißen Quadrats zeigt (Kasimir Malewitsch trifft Joseph Kosuth)




Die Betrachterin, der Betrachter liest das Wort, die Worte. Das Bild sagt tatsächlich „mehr“ – nämlich: Ich bin leer. Die Floskel wird zum performativen Selbstmord. (Selbstmord gibt es gar nicht). Oder, um es noch wesentlich radikaler zu sagen und zu schreiben: Eine KI-generierte Endlosschleife von Bildern, die jeweils mit dem Prompt „Ein Bild, das mehr als tausend Worte sagt“ erzeugt wurden bzw. werden. Das Resultat ist notwendig Kitsch, weil der Prompt selbst bereits Kitsch und in keinem Fall Kunst ist




Die postironische Erkenntnis lautet: Die Floskel ist nicht falsch, sie ist unrettbar wahr – und genau deshalb unerträglich. Sie beschreibt den Wunsch nach Unmittelbarkeit in einer Welt radikaler Vermittlung, Transparenz und Kommunikation. In diesem Sinne ist sie die letzte »romantische Geste der Spätmoderne«

Schluss: Das Schweigen der Bilder




Am Ende sagt ein Bild nicht mehr als tausend Worte. Es sagt anders (anderes bis befremdliches, geheimnisvolles und schreckliches). Und dieses Anderssein ist weder superior noch inferior, sondern komplementär – oft defizitär, manchmal überwältigend, meistens banal. Die Floskel selbst ist das eigentliche Meisterwerk: sprachliches »Readymade«, die seit hundert Jahren unironisch wiederholt wird und dadurch zur ironischen, dann postironischen Ikone wurde, die bis heute reproduziert wird.

Wer heute noch „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ sagt, vollzieht einen rituellen und ritualisierten Akt der Kapitulation und des Scheiterns vor der Komplexität. Bilderwelt und Bildersprache? Ohne Komplexität keine Kunst? Die einzig angemessene Reaktion darauf ist nicht Widerspruch, sondern ein müdes, wissendes Lächeln und der Zuspruch – gefolgt von genau tausendundeinem Wort, das das Bild erst zum Sprechen bringt...




Denn letztlich gilt:
Ohne die Worte [Begriffe] wüsste ich, wüssten wir gar nicht, dass das Bild etwas sagen soll, sollte, kann, mag oder will!

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