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Porträts hergestellt von Norma E. Prina seit 2015 -2020

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©©Norma E. Prina

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Das letzte Wunsch-SELFIE

oder wie würde dein letztes SELFIE aussehen, wenn Du wüsstest, Du müsstest bald sterben? Mit was für einem oder welchem SELFIE würdest Du Dich verabschieden wollen, oder was für eine Message soll das letzte SELFIE von Dir haben?

Diese Fragen habe ich (Maja Seifert Metz) mit verschiedenen Menschen aus dem Freundeskreis, Familie und Teamkollegen diskutiert. Das war sehr spannend. Zuerst stiess diese Frage auf grössere Widersprüche, weil keiner zuerst – trotz medialem Zeitalter und steter Handybegleitung – von sich in diesem Moment ein SELFIE machen würde. Die Erweiterung von SELFIE zu „Selbstportrait“ oder „Ausdruck von Selbst“ brachte Erleichterung. Es liess den Redefluss als Gespräch, Dialog und Erzählung entstehen mit dem ein letztes SELFIE vorgestellt und beschrieben wurde. Die Namen habe ich geändert, fand es aber wichtig und bedeutend für den Blickwinkel das Alter in Jahren anzugeben, um Rückschlüsse auf Generations-, Gender- und Lebenserfahrungen der Interviewten zu eröffnen. Hier die Antworten der Befragung:

Klara, 29 Jahre: Da müsste eine Gestalt von hinten drauf sein. Das bin ich. Die Szene ist sehr schattenhaft, nicht ganz klare Umrisse. Ich habe eine weite bunte Hose an in weinrot und türkis. Im Hintergrund ist das Meer zu sehen, die Weite gibt einen guten Schnauf. Es wäre alles in der Abenddämmerung, die Sonne geht gerade unter, und ich schaue da von einem Hügel auf das Meer hinaus. Ein knorriger Ast hängt ins Bild von links nach rechts.

Thomas, 43 Jahre: Für mich wäre das ein schwarzweiss Portrait. Ich käme auf jeden Fall frisch vom Coiffeur (hat sehr kurze Haare) und im Hintergrund wäre etwas, was mir lieb ist. Ich mag die Berge und diesen Blick in den Gletscher vom Haus aus. Ich mag auch den Fluss neben dem Haus mit den grossen Steinen und dem eiskalten Bergwasser. Ich mag auch meine Obstbäume, überhaupt Bäume. Ja, das passt doch, es ist von allem etwas drauf.

Ellen, 55 Jahre: Im Vordergrund wäre mein Erdbeerbeet. Da habe ich so lange drum gekämpft gegen die Schnecken. Ich liebe den Duft von Erdbeeren, damit wäre ich gerne umrahmt. Ich stehe also dahinter im Garten mit diesem Strohhut, den keiner leiden konnte, es ist Sommer und alles wächst und gedeiht, ich bin glücklich diese Fülle zurücklassen zu können für meine Familie. Der Garten soll ihnen gut tun und ein Ort sein, in dem sie sich gerne aufhalten. Die Schaukel müsste auch drauf sein auf dem SELFIE.

Sabrina, 34 Jahre: Tücher. Auf dem Bild sehe ich viele Tücher in Weiss und Grau Tönen, wie auf einer Wäscheleine, ohne dass du die Wäscheleine sehen kannst. Die Sonne scheint von hinten durch die vielen Tücher, sie bewegen sich und sind in vielen Schichten übereinander gehängt, gerafft in grosse und kleine Falten. Das Geräusch wäre wichtig von dem sich bewegenden Stoff im Wind. Es rauscht so schön. Eine weibliche Schattengestalt (das bin wohl ich) hängt die Tücher auf und ab in Endlosschlaufe.

Peter, 33 Jahre: Ich bin schon mal den berühmten Pilgerweg durch Spanien gelaufen. Auf meinem letzten Bild wäre auf jeden Fall ein Stück staubiger Weg zu sehen, die Sonne brennt, es ist vielleicht Mittagszeit. Am Wegesrand ein alter Olivenbaum. Lädt mit seinen knorrigen Ästen zum Ausruhen in seinem Schatten ein. Dankbarkeit verbinde ich damit und freue mich, meine gefüllte Trinkflasche dabeizuhaben.

John, 24 Jahre: Ich mag keine SELFIEs. Aus dem Grund wäre mein letztes SELFIE genauso, wie alle anderen, ein Zufallsbild von einer Situation, die ich gerne in Erinnerung behalten wollen würde. Ich würde auf dem Bild lächeln. Es würde etwas zeigen, was mir Spass macht, Snowboarden z.B. oder segeln, oder eine Lightshow aufbauen! Es sollte etwas Wesentliches von mir zeigen. Es wäre kein Bild für Fremde, deren Reaktionen sind mir egal. Es wäre für meine Familie und Freunde und soll Freude beim Betrachten auslösen und mich so in Erinnerung rufen: Das Leben gefällt mir.

Dorothea, 73 Jahre: Ich sehe mich allein. Indirekt ist meine Familie bei mir. Für mein letztes SELFIE werde ich mich barfuss mitten auf einen grünen, leicht gerundeten Hügel setzen. Über mir der weite, offene Himmel. Meine sitzende Gestalt wird nicht besonders gross sein, aber ich werde verbunden sein mit der Erde unter und dem Licht über mir. In meiner Hand werde ich eine blühende Sonnenblume halten, die höher ist als ich. Neben mir soll es klares Wasser geben, eine grosse Schale oder einen Krug und ich werde das Wort JA ins Gras schreiben.

Maren, 45 Jahre:Ein Selbstbild? Ein vergänglicher Abdruck. Fusspuren im Sand am Meer. Die Weite vom Meer und der Wind und das Rauschen von Wellen. Es ist ein liebliches Meer, zarte Morgenröte, türkisblau der Himmel. Die Wellen waschen sanft die Fusspuren nach und nach wieder weg. In der Vertiefung bleiben vielleicht ein paar Muscheln zurück und vom Meer geschliffenes, grünes Glas. Du siehst nur die Füsse, die durch den Sand an der Wasserkante entlanggehen. Ich denke, mein SELFIE wäre ein Video, ein bisschen überbelichtet. Die Geräusche und die Gerüche spielen eine wichtige Rolle.

Lukas, 35 Jahre:Für mich spielen die Gegenstände keine Rolle. Wenn ich sterbe bleibt alles zurück. Die anderen müssen meine Sachen aufräumen. Ist das dann Müll?? Zurückgebliebenes. Keine leichte Aufgabe für die Nachwelt. Ich glaube, ich würde am meisten meine Bücher vermissen. Auf dem SELFIE wäre auf jeden Fall „Die Enzyklopädie der Neuzeit“.

Erich, 76 Jahre: Ein letztes Bild von mir? Für meine Enkel. Ich war 52 Jahre verheiratet. Meine Frau Susa ist dieses Jahr im Mai gestorben. Es ist nicht einfach ohne sie, das macht mir zu schaffen. Die plötzliche Einsamkeit ist es. Das macht mir Kummer. Vor fünf Jahren starb unser ältester Sohn bei einem Motoradunfall. Eltern sollten nicht ihre Kinder überleben. Für das SELFIE wünschte ich mich mit meiner Frau unter unseren Apfelbaum, auf der Bank sitzend.

Imke, 38 Jahre:Wahrscheinlich wäre es so wie immer. Alles verwackelt, unscharf, etwas nebulös. Ist das nun der Hund oder das Sofakissen?! Verwaschenes Bunt, unten ein bisschen grau. Das steht für nicht so gut gelungene Sachen…. JFür meine Eitelkeit, für meinen Dickschädel, für mein Nicht-Verzeihen.

Heidi, 57 Jahre: Ist das dein Ernst? Wer macht denn von sich ein „letztes SELFIE“? – Also gut. Es wäre etwas darauf zu sehen, was mir grosse Freude macht. Mir gefällt besonders gut das Labyrinth von Chartres und ich bin schon ein paar Mal hindurch gewandert, durch die Lotusblüte in der Mitte, hinaus in die Zukunft. Das war sehr beeindruckend und ich habe dabei gedacht, wie gut das zu meinem Lebensweg passt. Einen Schritt vor, zwei zurück. Es ist ein ziemliches Stück Arbeit, bis du das fertig „gelismet“ (gestrickt) hast, sozusagen.

Adrian, 52 Jahre: Ich war mal vor ein paar Jahren in Afrika. Da habe ich zum ersten Mal bunte Särge gesehen. So ein Sarg repräsentiert dann etwas von dir, was für dich wichtig war, was unverwechselbar mit deinem Beruf, deiner Familie zu tun hatte. Diese Idee stammt ursprünglich aus Ghana und ich finde sie wirklich grossartig! So ein knallbunter Fisch aus Holz in Überlebensgrösse, eine riesige Colaflasche, ein Haus nach deinen Wünschen. Das finde ich sehr faszinierend. Stell dir das mal bei uns vor….. Auf meinem SELFIE wäre mein Sarg, ein grosser Hase, die Pfoten gekreuzt, mit sehr ernstem Gesichtsausdruck…

 Dude, 34 Jahre: Auf meinem SELFIE ist es mega sonnig und minus 21°C kalt. Strahlend blauer Himmel leuchtet über die Winterschneeberge auf dem Corvatsch / St. Moritz. Ich springe mit meinem Board über die 10 Meter Klippe und habe ein strahlendes Lächeln im Gesicht!

 Rebecca, 46 Jahre: Also, wegen des SELFIEs: ich weiss nicht so wirklich, weil es so ziemlich das letzte ist, an was ich denken würde… wahrscheinlich wäre mir wichtig, dass mein Mann und meine Familie, sowie meine Glaubensgeschwister sehen könnten, dass mein Glaube immer noch stark ist. Vielleicht würde ich ein Bild mit einem Bibelvers von der Auferstehungshoffnung machen, um sie auch zu ermuntern.

Silvana, 49 Jahre:ich lächle frech in die Kamera, links hinter mir steht Superman, wahnsinnig muskulös, rechts hinter mir steht Batman, wahnsinnig muskulös…. Die beiden stehen sich hinter mir gegenüber, die Arme verschränkt, sehen sich mit Superheldenblick in die Augen. Dahinter ein trüber Himmel, in knalligem Rot ihre Erkennungssignatur zu einem Siegel gemischt. Da kann doch nichts mehr passieren, oder?

Matti, 37 Jahre: das kommt darauf an. Wenn ich todkrank wäre und furchtbar aussehen würde, würde ich ein NachtbildSELFIE von mir machen. Ich würde bestimmt wollen, dass man mich positiv in Erinnerung behält. Da lichte ich etwas Schönes und fröhliches von mir ab, und nicht mich in todkrankem Zustand. Das wäre draussen in der Natur, vielleicht mit meinem Hund, oder Freunden beim Bergsteigen und Klettern. Könnte mir auch gut vorstellen das SELFIE so kreativ mit dem Photoshop Programm zu bearbeiten, damit es schön aussieht. Die Leute sollen mich fröhlich in Erinnerung behalten. Schlechtes gibt es genug auf der Welt.

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„Montag ist ein roter Tag“– Kunsttherapie mit kognitiv beeinträchtigten Erwachsenen

Gleich hinter der Tür des Ateliers im Heim Im Grüt – meinem momentanen Arbeitsort – finden sich ehemals weisse Malschürzen. Sie sind über die Jahre wild und bunt bespritzt, die Flecken gehen beim Waschen kaum mehr heraus. So sind sie zu Zeitzeugen eines intensiven Schaffensprozesses geworden. Die teilnehmenden Klienten haben keine Probleme ihr benötigtes Material, Pinsel und Farben, Stifte und Papier, Leim, Karton, Schere, Faden und vieles mehr zu finden. Berührungsängste, sich kraftvoll in ihrer eigenen Art künstlerisch auszudrücken und ihre Werke den anderen zu präsentieren, finden sich hier selten.

Im Fokus steht dabei für mich das ganz individuelle Arbeiten mit den Klienten. Jeder bringt eine andere Frage mit, hat andere Fähigkeiten und Möglichkeiten, jeder möchte eine andere Antwort finden. In der Erfahrung zeigte sich, dass dabei die pädagogische, rezeptive KT für das therapeutische Arbeiten eine wichtige Grundlage bildet. Ich arbeite gerne in Gruppen, da hier, vereint durch das künstlerische Tun, die schwierigsten Klienten nebeneinander bestehen können und allein dadurch bereits eine Stärkung des Selbstwertgefühls entstehen kann.

Die Klienten möchten am Ende der Therapieeinheiten gerne ein „gutes Ergebnis“ haben, dass sie in ihrem Zimmer aufhängen oder der Welt in einer Ausstellung zeigen wollen. Eine grosse Herausforderung für mich als Therapeutin, sie in ihrem kreativen Prozess auch mit Widerstand und Krise zu konfrontieren. Dies gelingt durch verschiedene therapeutische Methoden, sowie z.B. das Variieren von Techniken oder Materialien. Fantasievolle Ideen sind dabei gefragt, um ein therapeutisches, reflektierendes Arbeiten, neben dem künstlerischen Fokus  zu ermöglichen. 2014 gestalteten die Klienten in einem Projekt ihr eigenes Kunstbuch bildWORTbildWORT. Zu von ihnen gestalteten, ausgewählten Bildern entstanden eindrückliche Texte, die als Buch bestellt und angesehen werden können unter: http://www.heimimgruet.ch.

Immer wieder wird durch das kreative Arbeiten etwas angestossen, was zu einer verblüffenden Selbsterkenntnis über eigene Fähigkeiten und Ressourcen führen kann. Gelingt es über das künstlerische Tun und die eigene Auseinandersetzung eine Verankerung bis in den Lebensalltag hinein zu etablieren, „ist Montag ein roter Tag“, wie ein Klient freudig mitteilte.

Seit ein paar Jahren habe ich gute Erfahrung mit dem gemeinsamen Malen und Gestalten von Kunstwerken gemacht. Hierbei können auch Klienten mit begrenzten motorischen Fähigkeiten künstlerisch ihrem Selbst Ausdruck geben. Das Recherchieren von Sujets, Form und Materialwahl sowie die anschliessende Umsetzung geschieht in einem partnerschaftlichen Prozess, in dem alle Beteiligten wachsen können.

April 2018

Maja Seifert Metz

Sozialpädagogin, prozessorientierte Kunsttherapeutin APK, Studentin der skdz

Links:

http://www.heimimgruet.ch

http://www.khsdornach.org/Galerie_2015_Urs.417.0.html