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Ausstellung «#DieKunst» öffentlich schreiben Kunst

massstabsgetreu

im fotografischen: text & bild

im filmischen: bild & selbstbild

im träumerischen: bilder

im ästhetischen: poster & public action

im formalen: experimentelles

.

SCREENSHOT

Heute wird die moderne, postmoderne und post-postmoderne Autonomie visueller Kunst in klassischer «Dokumentation» (Typoskript) und/oder typischer «Disziplinierung» «Full Text (PDF}» «Images (Artistic)» «Design» «Verfilmung» multimedial installiert. Teilnehmend beobachtet und gesendet.

DUTY-FREE-ART

Befreiungsversuche visuell-künstlerischer Praxis und Verfahren der Kunstforschung, die ästhetisch – ohne Worte – «kommunizieren». Bildverstehen wird quasi naturhaft vorausgesetzt, da es gegeben ist. Und sich von der Sprache, dem Wort sowie Lesen emanzipiert. Somit keiner weiteren Erklärung oder Vermittlung, noch Untersuchung und Erzählung, Geschichte, Prosa und damit Literatur (Visual Literacy) etc. bedarf. Da Bilder im Fotografischen als Lichtbilder und Film quasi selbst erklärend sind.

Das Stellen von Verständnisfragen ist geradezu das Tabu!

Und visuelle Kunst hört da auf, wo getwittert wird?

Kunst wird als etwas prinzipiell und grundsätzlich Unverstehbares, Hoffnungsvolles und Unverfügbares gesetzt. Verständliche und durchschaubare oder überschaubare Arbeiten und Projekte der Künstler*innen verfehlen die Absicht, Intention und Intuition des schöpferischen KunstSchaffens. Nur physische Präsenz und Anwesenheit garantieren «echte» – «wahre» – visuelle Kunst. Die Originalität zu den Wissenschaften z.B., die verkörpert wird.

Die qualitativen Studien, Entwürfe, Konzepte, Dokumentationen und Arbeiten zu künstlerischen Praktiken des visuellen (autobiografischen) Kunstschaffens und/oder Schreibens der Künstler*innen interessieren hier.

2019071819.16

Somit wird Erzählen und kein Erklären in mehrfacher (künstlerischer) Performanz im Zentrum stehen: Die Erzählung über die Erzählung und Aufzählung und so weiter,

offer only one lesson in invisibility in helsinik by Hito Steyerl offers five lessons in invisibility in the video ‚How Not to Be Seen,‘ 2013

die zu Forschungsfragen, Aufbau, konstruktiven Bau- und Schaustellen der kunstbasierten Praktiken des Kunstschaffens im Vorgarten, auf der Strasse, in Wohnungen, im Atelier oder Studios etc. führen werden. Die über den Ort und Freiraum der Bildbetrachtung hinausgehen


schau an

Erzähl- und Sichtweisen, die ohne Punkt, Koma und Satzzeichen fliessend werden. Freilassend, strömend bis flüchtig und verfliegend im künstlerischem Tun, Machen und Handeln. Bilder und ihre Biografie, die Bildgenese – Ikonologie – Ikonografie – Ikonolklasmus sind im Zentrum. Die (autobiografischen) Texturen und Bilder selbst, die Künstler*innen und/oder Kunstforscher*innen verfassen.

Erinnerungen spielen die Rolle. Wie wird der Umgang mit (kollektiven) Erinnerungen zu den Bildern und Dingen gestaltet und verhandelt?

«Visual Literacy» – « Bildwissenschaft» – «Literatur» werden mit Bildern, Szenen und Installationen im fotografischem befragt. Hierdurch werde ich Visual Literacy, ohne es wirklich zu beabsichtigen, herstellen und fördern. Dieser eher unerwünschte Effekt im Forschungskontext lässt auch die Umkehrung zu: Um die Visual Literacy zu fördern, müssen Bilder als Gesten befragt, nachgezeichnet, abgemalt und/oder inszeniert werden.

Die Resultate werden dadurch beeinflusst indem zum Beispiel ich frage und schreibe. Und andere antworten. Oder andere fragen und ich antworte usw. Doch, in der Projektgruppe am Tisch (Stammtisch) wird erzählt, zugehört, beobachtet, ausgetauscht, verhandelt und gelacht. Da werden verschiedene Voraussetzungen, Hintergründe und Perspektiven interessant, die mit dem Bild grundsätzlich einhergehen.

Aus der zu erwartenden Vielfalt und Änderung der Perspektive wird möglicherweise Zugewinn und #dieKunst resultieren, die neue Ordnungen des Sehens vermittelt.

Und die vormals architektonische Autorität des Designs in WordPress anverwandelt sich zur (strategischen) Aufmerksamkeit für die Performanz. Die mit Fragen unmerklich die visuelle Wahrnehmung anleitet und den Erkenntnisgewinn «outsourct». So werden diese Bild- und Textarchive nicht nur in eigener, individueller Art und Weise solo oder mono prozessiert.

Um «Bildbiografien» anzulegen, das Neue immer auf der Basis des Gesehenen (Erlebens der Ereignisse und/oder Wissens) ins visuelle kollektive Gedächtnis mit aufzunehmen. Hinzu kommt, dass sich die Attraktivität insbesondere der fotografischen Bilder daraus speist, dass ihre Lektüre hier nicht durch »Bildungsautorität» zentral verwaltet und beeinflusst wird.

Das Bild, um dies zu betonen, beharrt darauf (nicht) verstanden zu werden. Da es nicht auf einer linearen Lektüre mit Anfang und Ende beruht. Das Bild lässt sich simultan, schnell erfassen und bietet gleichzeitig verschiedene Zugänge, Anschlüsse und Einstiege an, um den Blick gemächlich umherschweifen zu lassen. Das Bild wartet mit (sinnlichen) Reizen und formaler Ordnung auf, die sich abhängig von Vorkenntnissen und Bilderfahrung sowie mit Bedeutungen anreichern lassen, falls reagiert wird.

massstabsgetreu

Über Anschauung und Abschauen werden die Informationen auch für die zugänglich gemacht, die weder über Ausbildung noch spezifisches Sprach- und Schreibvermögen verfügen. Die Text-Bild-Relation ist häufig die kulturelle Leitdifferenz. Ihre Veränderung, die den Status der beteiligten Größen an dieser Leitdifferenz neu bestimmt,
schlägt sich in kulturellen Praktiken,
künstlerischen Darstellungsweisen, in der
Rezeption und in theoretischen Diskursen der Kunstforschung
nieder. Das Verhältnis von Text und Bild
wird im Verlauf der abendländischen Geschichte immer wieder neu bestimmt
werden. Jedoch ist es nie ein neutrales, gleichberechtigtes Verhältnis gewesen, wie das
Bindewort „und“ zwischen ihnen suggeriert, denn Massstab und Relation betrifft Ermächtigungs- und Ursprungsfantasien: wer sieht
und wer wird gesehen, wer spricht, worüber wird gesprochen, was wird
besprochen: Stratifikation?

Die von Lessing gesetzten ontologischen Distinktionen (Differenzierungen, Konstrastierungen, Stratifizierungen etc.) verstanden Bilder als das der
Sprache völlig Entgegengesetzte. Lessing
plädierte zudem für eine Überlegenheit
poetischer über die bildnerischen Werke.
Dagegen gründen „Visual Culture Studies“ auf einer (zunächst in der «Semiotik» durchgeführten) Enthierarchisierung der
Konzepte von Text und Bild.

Grundannahmen gehen von der notwendigen Interdependenz «Interferenz»} bei Verbalisierungs- und Visualisierungsvorgängen bei der Formierung von Verstehen und Wissen aus.
Bilder existieren nicht außerhalb der
Diskurse, sondern immer in Kombination

mit «Kodifizierung» und in den Erzählungen, die von ihnen wiedergegeben
werden. Vergleichbar die Texte nur über den imaginativen und illusionären Akt der Bildunterstützung und Bildgebung Bedeutung erlangen. Hier reagieren die Darstellungsweisen in Texten und Bildern auf die Herausforderungen neuer Technologien.

Formen der Bildlichkeit stellen Schnittstellen dar, an der man die Generierung,
Formierung, Verfügbarmachung und Tradierung von kulturellen Bedeutungen
analysieren kann: z.B. in sämtlichen Formen von Bild-Text-Bezügen und in intermedialen Überschneidungsphänomen, wie
z. B. Illustrationen, filmischen Adaptionen oder Videos; in bildlichen Verfahren in unterschiedlichen Medien und in der diskursiven und poetischen Verarbeitung von visueller Erfahrung. Das Forschungsgebiet
„Visual Culture“ beschäftigt sich mit
dem Spannungsfeld von Textualität und Visualität. Dabei werden die gegenseitigen
Modellierungen, Editierungen und Überarbeitung von textuellen und ikonischen Strukturen im Tafelbild (System) untersucht und Analyseverfahren angewandt, welche die Art ihrer
Interaktion und den Bedeutungswandel
beim Medienwechsel (Bild-Begriff-Lemma etc.) erfassen.
Es zeigt sich somit, dass sich die
„Visual Culture Studies“, Literatur- und Bildwissenschaft-en sowie visuelle Kunstforschung überschneiden. Innerhalb der Literaturwissenschaft z.B. heißt die Verortung von „Visualität“ als Interessengebiet kaum, dass
Textanalysen fortan die geringere Rolle
spielen werden.

Der Komplex
Bildlichkeit und Sehen wird auf differenziertere Betrachtung literarischer Texte und Bilder treffen. Visualität in der Kunstforschung kann als
Bündel von Text- und Bildstrategien sowie flüchtige oder systematische Ansammlung und Darstellung begriffen werden, die Künstler*innen und KunstSchaffende
in ihrer bestimmten ästhetischen Wahrnehmungskonstellation hier teilgebend einfügen

bring an instrument for no musical experience necessary

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der anfang im Fotografischen Künstler*in künstlerische Forschung Kunst Kunstforschung KunstSchaffen

weiss

birgit matter

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Ausstellung bild im bild der anfang Fotografie im Fotografischen Künstler*in künstler*in künstlerische Forschung Kunst kunstprozesse KunstSchaffen Metabilder visuelle Kunst

planung – entwurf – logo

Skizze – Zeichnung – Entwurf in einer Gruppensitzung mit Laura Carmona Ayuso,
Nicole Ottiger, Lucia Baruelli, Claire Schubnell, Blazenka Kostolna, Norma E. Prina,
Maja Seifert, Birgit Matter auf der Terrasse Schwarzcafe Kunsthalle Zürich 2016
Body Map – Laura Carmona Ayuso

logo – logisch: kunst denkt – kunst kann – kunst wird. durch bildakte und geste der künstler*in-nen, die visuelle kunst schaffen. hierdurch werden sie gleichsam zumindest eine binäre gruppe und gemeinschaft als fortwährende zeitgenossenschaft. mit vorurteilen und unverfügbarem in figurationen des denkens, die sie entwerfen. zeichnen, schreiben, bewegen, tanzen, malen, musizieren, dichten und aufschreiben. sie werden zu künstlerischen visuellen verfahren, die beobachtet werden.

zur form und formen des bildaktes, der beobachtet oder betrachtet wird. alleine hierdurch, dass der bildakt in einem anderen kontext und environment zusammengestellt wird.

will ich der, auf einem frühen, überholten entwicklungsstadium basierende greif-mensch sein? für den eine auf die weitere zukunft bezogene tätigkeit nicht existiert? will ich ein wirklich technologisch be-unruhigter und besorgter europäer und weltbürger sein? will ich in der mitte zwischen rätsel, magie und logos zwischen wunder, wissen und bildung sowie der instrumente, materialien und technologien stehen bleiben?

ist es nur das symbol, die assoziation und die geste des bildaktes mit dem ich mich zurecht finden will? zwischen zupackenden greifmenschen und verharrenden begriffsmenschen fällt der symbolische pakt zum bildakt, soweit ist es klar.

das denken im symbolischen und gestischen weist über die blosse orientierung am menschlichen körper weit hinaus, dass es prozesse beschreibt statt konventionelle zeichen, ist offensichtlich. letztlich kann es als strukturgebendes und strukturablösendes moment menschlicher weltverhältnisse verstanden werden, die kommunizieren.

das sie systemisch und ästhetisch sowie sogar systematisch kommunizieren wird offensichtlicher werden. zum beispiel, wenn phänomene gezeichnet und zur denkfigur werden.

ansatz und anfang werden zur künstlerischen arbeit visuellen kunstschaffens in digitaler Allmende und «Wissensallmende».

mit diesen seiten zum bildakt, video und text u.a. werden sich beiträge situtieren, die im zentrum der genese künstlerischer, sprachlicher und theoretischer visueller hervorbringungen der künstler*in- und künstler*in-nen waren.

fotografischer input durch Nicole Ottiger
Terrasse Schwarzcafe Kunsthalle Zürich 2016 Nicole Ottiger
fotografischer input durch Birgit Matter
Terrasse Schwarzcafe Kunsthalle Zürich 2016 Nicole Ottiger
Terrasse Schwarzcafe Kunsthalle 2016: Gruppensitzung Claire Schubnell, Nicole Ottiger, Blazenka Kostolna, Norma E. Prina, Maja Seifert Metz von links; (Lucia Baruelli, Laura Carmona Ayuso und Birgit Matter anwesend)
Terrasse Schwarzcafe Kunsthalle Zürich 2016 Gruppensitzung – es zeigt sich
Terrasse Schwarzcafe Kunsthalle Zürich 2016 nur im fotografischen Bildakt?
Terrasse Schwarzcafe Kunsthalle Zürich 2016 Hinblicke und Merkmale der Künstler*in-nen

Zur Information:

diese Gruppensitzung fand auf einer Plattform vor dem Kunstwerk des amerikanischen Künstlers Mike Bouchet 2016 statt. Auf der 11. Manifesta in Zürich wurde die 80 Tonnen schwere Kunstinstallation, die zu großen Teilen aus menschlichen Fäkalien bestand, gezeigt. Sie befand sich im Hintergrund der beleuchteten Fenster in einem separaten Raum.

Aus einem veröffentlichen Interview mit Agata Waleczek und Mike Bouchet: „Der Titel hat offensichtlich mit der Stadt zu tun. Die Arbeit habe ich für die Manifesta passend zum Konzept „What People Do For Money“ angefertigt. „The Zurich Load“ besteht aus den menschlichen Fäkalien, die Zürich an einem Tag herstellt. Zürich hat fast 400.000 Einwohner, die pro Tag durchschnittlich 80 Tonnen Klärschlamm produzieren. Das Wort „load“ hat viele Bedeutungen im Englischen. Die wohl grundlegendste ist die Ladung, wie eine Lastwagenladung Ziegelsteine. Es steht auch für Belastung. Das Gewicht der Installation liegt gerade so unter dem Wert, den der Boden legal tragen darf – 500 kg pro Quadratmeter, in der Ausstellung beträgt die Belastung 480 Kilogramm pro Quadratmeter. Umgangssprachlich bedeutet „load“ auch „Bürde“. Und dann steht es noch für Kot. Titel sind mir wichtig, sie müssen offen sein.

Wo hast du die Scheiße besorgt?

Sie kommt komplett von Menschen und stammt aus dem Zürcher Klärwerk. Ich habe das Werk besucht und war sehr beeindruckt. Die Menge an Abfall, den die Menschen machen, ist unglaublich. Ich war in einem Raum mit 25.000 Tonnen dieses Materials, was in Zürich in drei bis vier Wochen produziert wird. Und das ist eine kleine Stadt. Ich war auch irgendwie von der Schönheit getroffen. Es riecht wie ein Bauernhof, sieht aus wie einer, das Material ist homogen zusammengemixt und hat diese tiefe, braune Farbe. Und ich dachte nur: Wow, das sieht großartig aus.

Du hast bereits im Klärwerk gedacht, dass das schön ist?

Ja, absolut. Ich war beeindruckt. Das hatte ich nicht erwartet. Und ich bin nicht die Art Künstler, die sich normalerweise von formal schönen Materialien angezogen fühlt wie: Oh, ich liebe diese Rotnuance. Ich interessiere mich mehr für Inhalte. Ich bin eher ein Konzeptkünstler.

In deiner Kunst fokussierst du dich auf Werbung und Konsumkultur – Dinge, die traditionsgemäß stark kritisiert werden. Ist „The Zurich Load“ auch deine Art, die ultimative Kritik zu äußern?

Nein, diese Arbeit bedeutete einen ziemlich großen Wandel für mich. Ich habe bereits früher Arbeiten aus Müll und Mist gemacht. Das war in den späten 90ern, da habe ich Platten aus Pferde- oder Kuhdung gemacht. In Berlin füllte ich zur 4. Berlin Biennale 2006 drei Räume mit Kompost aus dem Tegeler Gefängnis. Diese Arbeiten hatten was mit Kritik zu tun, aber bei diesem Werk ging es mir eher um die formalen Eigenschaften. Ich definiere die Konsumkultur als menschliche Kultur. Ich meine, kennst du eine Kultur, in der Menschen nichts konsumieren?

Schwer vorstellbar.

Genau. Was „The Zurich Load“ von anderen meiner Arbeiten unterscheidet, ist, dass ich ein Material nutze, das in unserer Gesellschaft relativ unsichtbar ist. Jeder begutachtet seinen eigenen Kot am Morgen, das macht er in einem kleinen, sauberen Raum. Aber als Gesellschaft nehmen wir ziemliche Mühen auf uns, das zu verstecken. Das ist ein Luxus. Ich war an einer Zelebrierung unserer technischen Errungenschaften interessiert. Aber ich wollte auch eine Arbeit machen, die uns aus dem geschlossenen, kleinen Raum in einen großen White Cube bringt, wo wir das gemeinsam erleben können, wo das Gefühl von Gemeinschaft entsteht, wo wir uns mit dem Jetzt und dem Gegenüber in einem größeren, historischen Kontinuum verbinden können. Ich glaube, darum geht es größtenteils bei Kunst. Und mir ist bewusst geworden, dass Fäkalien ein wundervolles Material sind, um das zu tun. Und es war eine großartige Chance. Wann in der Geschichte hätte ein Projekt wie dieses schon realisiert werden können?

War es schwierig, die Leute der Manifesta von deiner Idee zu überzeugen?

Nein, die Manifesta hat mich unterstützt. Das Zürcher Klärwerk auch, aber mit vielen Einschränkungen. Es gibt viele Sicherheitsvorkehrungen, die ich befolgen musste. Es handelt sich um gefährlichen Abfall. Manche Menschen waren skeptisch. Und andere fanden es interessant. Für mich war es wichtig, passend zum Konzept der Ausstellung, zu dem Punkt zurückzukommen: Das ist, was Menschen für Geld machen. Das ist ein Teil jeder Stadt, jedes Dorfes, den wir gern ignorieren. Es ist ein sehr wichtiger Aspekt modernen Lebens. Wir könnten sonst zum Beispiel keine Wolkenkratzer haben. Die Arbeit ist auch als Hommage an die Menschen gedacht, die dort arbeiten. Für das Klärwerk war es eine Chance zu zeigen, wie viel Material es gibt, mit dem man sich befassen muss. Wir arbeiteten alle zusammen, um das Werk umzusetzen. Wir mussten eine Erlaubnis von der Stadt einholen, von der Institution, die eingewilligt hat, es auszustellen. Die Mieter des Gebäudes hatten berechtigte Sorgen, aber sie haben darüber hinweggesehen und gesagt: „Hey, wir würden diese Arbeit gern sehen, sie ist anspruchsvoll, radikal.“ Die positive Einstellung der Leute hat mich umgehauen.

Aber es handelt sich, wie du schon sagtest, um gefährliche Abfälle. Welche Hygienemaßnahmen musstest du für die Ausstellung beachten?

Du meinst für die Besucher?

Ja.

Das Wasser, das in der Masse vorhanden ist, musste gebunden und der Geruch bis zu einem gewissen Grad eingedämmt werden. Die Leute dürfen auch nicht in der Lage sein, die Arbeit zu berühren. Sie muss sich in einer stabilen Umgebung befinden. Sie darf nicht nass werden. Eine Kunstinstitution ist glücklicherweise ziemlich gut dafür, diese Dinge zu gewährleisten. Die Besucher sind sich bewusst, dass sie die Exponate nicht anfassen sollten. Was das Material selbst angeht, mussten wir viel herum probieren. Im Laufe fast eines ganzen Jahres haben wir eine Mixtur entwickelt. Sie enthält Beton, Brandkalk, etwas Pigment und wurde in einem Zementmixer mit dem Schlamm vermischt. Das konserviert die Farbe, festigt das Material und absorbiert das Wasser, das sonst austreten könnte. Der Kalk neutralisiert die Bakterien und bewahrt die Arbeit vor Schimmelbefall. Technisch gesehen handelt es sich um ein Fresko. Ich arbeitete für diese Rezeptur mit einer Konservatorin zusammen, die mich auf die Ähnlichkeit aufmerksam machte.

„The Zurich Load“, Installationsansicht. Foto und Arbeit mit freundlicher Genehmigung von Mike Bouchet © Photo: Camilo Brau – auch die Künstler*in-nen haben es fotografiert

Und wie hast du daraus Würfel gemacht?

Es handelt sich um 252 Blöcke – jeder handgeformt. Das Material in Formen zu pressen war physisch sehr anstrengend. Ich hätte das von einer Maschine machen lassen können, aber es war mir wichtig, dass die Arbeit die Qualität und Schönheit des Handgemachten hat. Jeder Würfel ist einzigartig.

Hast du es genossen, diese Masse mit deinen Händen zu bearbeiten?

Nein, überhaupt nicht. Das war eine wirklich anstrengende, schwierige Angelegenheit. Aber es war für die Arbeit wichtig. Natürlich hat jeder mit Schutzkleidung, mit Masken und Handschuhen gearbeitet.

Wie steht es um den Geruch in der Ausstellung? Kann man noch riechen, dass es sich um menschliche Ausscheidungen handelt?

Nein, aber ich habe auch schon so viel Zeit in der Nähe dieses Materials verbracht. Der Stoff hat einen Eigengeruch, aber es riecht mehr nach Bauernhof oder Zoo. Mir hat diese Idee gefallen, ich meine, irgendwie sind alle Städte wie menschliche Zoos. Der Geruch der Arbeit ist sehr abgeschwächt und verändert. Andererseits ist die menschliche Wahrnehmung von Gerüchen sehr subjektiv. Manche finden den Geruch sehr stark, anderen scheint er überhaupt nichts auszumachen. Es gibt Leute, die sich wirklich Zeit nehmen, die Installation anzuschauen. Die Spezialisten für Geruchskontrolle und Belüftung, mit denen wir zusammenarbeiteten, waren alle beeindruckt davon, wie wenig die Arbeit riecht, wenn man ihre 80 Tonnen Gewicht bedenkt. Menschliche Scheiße ist viel länger haltbar als die von Tieren. Sie riecht auch viel länger.

Weißt du, warum das so ist?

Nein, aber ich denke, es hat etwas mit unserer Stellung in der Nahrungskette zu tun. Wir sind Allesfresser. Es ist wohl eine Mischung unterschiedlicher Umstände. Einerseits geht es um die Vielfalt unserer Kost. Andererseits müssen Tiere, die weiter oben in der Nahrungskette stehen, ihre Fäkalien nicht mehr so sehr verstecken. Der Kot kleiner vegetarischer Tiere riecht nicht stark. Aber Löwenscheiße stinkt ganz schön. Aber die des Menschen stinkt noch viel mehr. Menschlicher Kot ist auch giftig. Wenn man Menschenscheiße im Boden vergräbt, dann vergiftet sie den umliegenden Bereich. Die Vorstellung, man könnte sie als Dünger recyclen, ist nicht wahr. Das ist verboten. Weil da so viele Schwermetalle und giftige Stoffe drin sind.

Wie haben die Besucher auf deine Arbeit reagiert?

Viele finden die Arbeit sehr schön, das habe ich aus Rückmeldungen erfahren. Ich bin mir bewusst, dass es sich um ein sehr vorbelastetes, geladenes Material handelt. Mein Ziel war es, davon ausgehend zu einer grundlegenderen Diskussion zu gelangen. Und ich war positiv überrascht, dass die Leute es geschafft haben, ihre Vorurteile abzulegen und sich auf eine tiefere Bedeutung einzulassen. Das hatte auch mit der Form der Installation zu tun – etwas worüber ich sehr lange nachgedacht und woran ich sehr lange gearbeitet habe. Ich habe mich für diese reduzierte, monumentale Form entschieden, die den Menschen bekannt ist. Sie ist nicht überwältigend oder spektakulär. Wir haben eine lange Beziehung zu Blöcken in dieser Form und Größe. Ich wollte eine Harmonie in den Formen finden, die im Kontrast zum Inhalt steht. Teil meiner Arbeit ist es, widersprüchliche Elemente zusammenzubringen. Manche nennen es Minimalismus, aber die Ursprünge liegen viel weiter zurück in der Zivilisationsgeschichte. Man denke an Architektur. Darin erkennen wir eine Schönheit.

Du kommst aus Kalifornien, aber lebst in Frankfurt. Hat es dich als Künstler beeinflusst, Amerikaner zu sein?

Ich glaube, dass die Kindheit generell starke Ausgangspunkte für das Machen von Kunst liefert. Egal, um wen es geht. Man stellt mir diese Frage oft, weil ein Teil meiner Arbeit amerikanisch aussieht. Das ist erstaunlich, weil ich mein Material in Deutschland schöpfe. Allerdings interessiere ich mich nicht für Nostalgie. In meiner Arbeit ist das, was jetzt gerade geschieht, wichtig.

In einem Interview hast du mal gesagt, dass die Kunst des 20. Jahrhunderts „full of shit“ sei. Kannst du ein paar Beispiele von „Scheiß-Kunst“ nennen?

Oh ja, die Geschichte menschlicher Fäkalien in der Kunst des 20. Jahrhunderts ist ziemlich bekannt. Beginnend mit Duchamps „Fountain“, wo es nicht unbedingt um Kot geht – es ist ein Urinal, aber das Thema und Alchemie werden angesprochen. Und was ist die ultimative Form der Alchemie? Die Umwandlung von Scheiße zu Gold. Die Dadaisten und Surrealisten machten viele Arbeiten mit Anspielungen auf das Formlose und Organische. Und es gibt viele Abbildungen von Scheiße in ihren Arbeiten. Die Fluxuskünstler benutzten echte Fäkalien. Kurt Schwitters machte kleine Tierfiguren aus Scheiße. George Maciunas, der irgendwie der Vater des Fluxus war, hatte eine riesige Sammlung Scheiße. Er stellte Tier- und Menschenkot aus. Natürlich ist Piero Manzonis Künstlerscheiße in Dosen die bekannteste Scheiß-Arbeit. Dann gibt es natürlich die Wiener Aktionisten. Aber die Art, wie sie Scheiße benutzt haben, war mehr Anti-Establishment und Provokation als Diskussion von Alchemie. Natürlich war es im Endeffekt auch Alchemie. Und dann am Ende des 20. Jahrhunderts Wim Delvoyes „Cloaca“, eine sehr bekannte und wirklich bemerkenswerte Skulptur, die die Diskussionen von Scheiße in der Kunst in dem Jahrhundert abrundet. Aber all diese Arbeiten haben eine Art von Humor, die mit Sprache, Künstlerwitzen und der Anspielung auf den Künstler als Alchemisten zu tun hat. Im 21. Jahrhundert war es mir nun wichtig, mich von all dem zu distanzieren. Und die Herausforderung war, eine ganz andere, monumentale Perspektive auf das Thema zu entwickeln.

Was passiert mit der Arbeit nach der Manifesta?

Eine Möglichkeit ist, dass sie zerstört wird. Die Stadt hat verlangt, dass wir einen Plan vorlegen, wie mit dieser Arbeit nach der Manifesta umgegangen wird. Interessant ist, dass sie in der Schweiz von den Behörden als Kunst neu kategorisiert werden kann.

Dann könnte sie bewahrt werden.

Nun, ich weiß nicht, wie lange irgendwas bewahrt werden kann. Aber dass eine Gesellschaft auf dem Behördenlevel sagt „Hey, wer sind wir, zu sagen, das sei keine Kunst?“ ist eine große Errungenschaft.

Steht die Arbeit eigentlich zum Verkauf?

Ich weiß nicht, das habe ich nicht besprochen. Ich vermute mal, alles ist verkäuflich. Aber das ist bei dieser Arbeit nicht mein Hauptanliegen.

Planst du, auch in Zukunft mit menschlichen Fäkalien zu arbeiten?

Momentan habe ich da keine konkreten Pläne. Aber ich habe den Eindruck, dass es ein extensives Material ist, das viele Fragen aufwirft und ziemlich unerforscht ist.“ (Copy by Birgit Matter)

Die absolute Verneinung der Scheisse und nur Befürwortung der Schönheit ist Kitsch, im wirklichen, wie auch übertragenden Sinn. In diesem Sinn wird jede Art und Weise der Auseinandersetzung und Kritik mit jedem Bildakt in den Mittelpunkt gesetzt.

Mike Bouchet Gemeinschaftskunstwerk 2016 gesehen und fotografiert von Birgit Matter im Juni 2016

Verschwindet der Geruch?

Könnte die Masse für Erde gehalten werden?

Mike Bouchet findet sie «so schön», da er beim ersten Besuch im Klärwerk und der Kläranlage fasziniert war. Vom Material, welches sonst verbrannt wird. Er beugte sich leicht über eine der Holzschachteln. Betrachtete es und sagte: «Alle Zürcherinnen und Zürcher haben es gemeinsam in einem Tag geschaffen. Unglaublich.»

schreiben ist visuelle Kunst – die keine Grenzen kennt. Sich mit jedem Tastendruck freisetzt und sogleich zu formalisieren droht. wenn es gesehen wird und medienwechsel beginnen
bilder, die bildakte freizusetzen, damit sie selber laufen lernen, war das anliegen. diese folgten keinem ordnungsprinzip, der weltsicht nur eines menschens oder einer person, die (ästhetisch) kommunizieren.

arbeite, wie jeder hier seit den 70iger oder später «eklektisch». nicht und kaum neu, doch welche Chancen und neuen Merkmale und Aspekte zur gegenwärtigen visuellen kunst, kultur und kunstforschung ergeben sich, wenn es hier (zudem) freigesetzt oder veröffentlicht werden? werden laufende veränderungen bemerkt?

Während Thomas Carlyle die künftige Benennung der Helden als Stars oder Shooting Stars vorbereitete, setzte Honoré Daumier in Paris zu einer neuen Demystifikation der antiken Helden an. 1841 begann er im Charivari die Serie Histoire ancienne, deren fünfzig Blätter die kleinen und grossen Heldinnen und Helden der Antike veräppelten, wie etwa den Menelaos, der nach dem Fall von Troja Helena mit sich führt, oder den Herkules, der degoutiert (zum Beispiel: Wolfsberg Arts Forum: Shooting Stars, Prof. Bätschmann 22.11.2004 – http://www.wolfsberg.com 6/24).

In jedem Fall den stinkenden Stall des Augias ausmisten sollend. Ich weise auf diesen Gegenläufigkeit von Erhebung und Erniedrigung hin, weil sich bei den Künstlern und Künstler*innen hier Ähnliches abzeichnete oder abzuzeichnen vermag. Es wird stinken, verwesen und verstauben und sich auflösen, entsorgt und bereinigt werden – welches interessant sein und bleiben wird.

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Allgemein Ausstellung integrative Forschung Kunst

HERZ STILL STAND

Blazenka Kostolna HERZ STILL STAND Gedichte

HERZ STILL STAND, das vorliegende Buch umfasst Gedichte ab den ersten 10 Jahren bis in die heutige Zeit meines Lebens in der Schweiz. Die Gedichte sind kurzatmige, poetische Erzählungen, die Sprache ist nüchtern und klar, manchmal ironisch, darum um so treffender und vielleicht zum Nachdenken anregend. Das Minimalistische ist mein Prinzip – die Dinge auf den Punkt zu bringen, auf das wesentliche. Einfach zu sein und in einem Satz eine Geschichte zu erzählen, in der Gefühle wie Liebesentzug, Sehnsucht und Wehmut, sowie die Auseinandersetzung mit sich selbst und eigenem Frauendasein, nicht in Gefühlsduselei ausarten, war mir ein Anliegen. Die Gedichte werden unterstützt durch eigene Illustrationen, die parallel zum Schreiben entstanden sind, sie verleihen dem Inhalt so etwas, wie eine zweite Sprache.

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artistic Research «#DieKunst» Fotografisches gegenwärtiges visuelles KunstSchaffen integrative Forschung Künstler*in künstlerische Forschung Kunst Kunstforschung kunstprozesse

knotenkonzepte nebenbei überarbeiten

Eine Krähe hackt der Anderen kein Auge aus



Musculus gluteus maximus ist der großflächige Muskel mit weitgefächertem Ursprung und kräftiger Ansatzsehne. Er entspringt vom Darmbeinkamm (Ala ossis ilii), der Rückfläche vom Kreuzbein und Steißbein (Os sacrum und Os coccygis), dem Ligamentum sacrotuberale und der Fascia thoracolumbalis
roten faden verstricken
anfang und ende des roten fadens finden
rote faden konzepte ablegen und/oder wiederaufnehmen
mit goldenem faden zusammennähen oder am goldenen faden aufhängen?
erklären – erläutern – zeigen – erzählen – handschriftlich notieren
zeigen, was so wie so bekannt ist: inhaltästhetisch – materialästhetisch -gehaltsästhetisch – reflexive moderne bis momente
das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit aufschichten, auffädeln, verschachteln, verpacken und versenden?



an autoscopic moment, 2010 Acrylic on wood – 22.5 x 27.5

Autoscopy is defined here as a visual experience where the subject sees an image of herself in external space, viewed from within her own physical body. Autoscopy may arise from a convergence of several variables, including gender, personality factors, neurological and/or psychiatric disease, exhaustion and dissociation, whose interaction may override the normal inhibition of temporal lobe activity. A cognitive neuropsychological hypothesis is proposed, together with avenues for future research.



https://www.facebook.com/birgit.matter.7/posts/713426565478104
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wie die Bilder laufen und fliegen lernen

im fotografischen – workflows und work in progress – bilder befreien und freisetzen – den bildakt befreien und frei setzen https://www.facebook.com/bimatter/

Cafe Gloria Zürich September 2016 Lucia, Maja, Birgit, Nicole und Blazenka fotografiert

Malerei ist – bleibt – wird der Kollektivsingular (Sammelbegriff) für die KunstderKunst-Therapie?

Für das KünstlerSein und KünstlerZusammenSein mit und ohne Werk als Projekt, Gruppe, Team und Interessengemeinschaft?

Bereits Platon lässt Sokrates ausführen, dass für die Malerei dasselbe wie für die Sprache gelte. Deren bezeichnende Sache oder Ding nicht etwa in aller Ausführlichkeit zu wiederholen sei, sondern zugreifend durch Auslassung charakterisieren solle.

Beispielsweise die Serie durch Auslassungen der Reihenfolge, das Dreieck durch die Ecke und den Kreis durch Viertelkreise, den Faden durch die Linie dazustellen. Es gäbe, so Sokrates, weder Worte noch Kunstwerke, wenn diese die Dinge nachahmend lediglich verdoppeln (abbilden oder fotografieren) würden.

Worte wie Gemälde besitzen durch ihre Fähigkeit zur verknappender Darstellung vielmehr die klassifikatorische (nicht klassifizierende) Kraft der bezeichnenden Wiedergabe. Die Platon schon im «Timaios» etwa Modellen der Astronomie zuerkannt hat. Der Anfang des Timaios in der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Handschrift:

Und über Zusammensetzungen bis Kompostionen und Wirkungsweisen des Kosmos „ohne genaueres Betrachten der Modelle sprechen zu wollen“ so führt er aus, „wäre vergebliche Mühe“ (schreibt der Kunsthistoriker Horst Bredekamp 2010, S. 39 zum Bildakt).

visuelle kunst – praxis – ästhetisch kommuniziert – die liebe zur malerei: weiss zeichnen

ästhetische wirkungen künstlerischer und gestalterischer bildakte werden heute zu «bilderwolken». «bilderfahrzeugen». im fotografischen bis videofilmerischen : dynamisierte, bewegte und schnell wechselnde bis automatisch animierte features. merkmale vor hinter- und untergründen, die auf höhe der zeit wahrgenommen werden können. bilder, modelle, muster, ordnungssysteme usw., die als sogenannte «blick- und effektfelder oder zonen» vom sogenannten publikum aufmerksam gesehen, beobachtet, wahrgenommen sowie auch erkannt und anerkannt werden. da sie immer auch ästhetisch kommunizieren. investigationen, interventionen und gegenwärtige kunstaktionen, die der gesellschaft (preis-)gegeben sowie verantwortet werden

künstlerische forschung und performance wird aus der nische, ecke und winkel heraus produziert. im büro, in der fabrik, halle, kirche, kathedrale, küche, keller und in anderen architektonischen räumen und landschaftsgärten vorbereitet. im kollektiven wohnzimmer und automobil, auf der trace, strasse und strecke durch die landschaften der kulturen zubereitet. bevor es den tunnel, die durch- und zugänge zur stadt und die urbanen regionen der gross- weltstädte passiert. öffentlich und global gesendet und empfangen wird. geblitzt, kontrolliert und monetarisiert ist. so zu sagen auf dem radar erscheint. im bild – text und werk – mit und ohne signature – des kunstschaffenden dargestellt wird.

im öffentlichen – frei- und zwischenraum – der «LecturePerformance» werden bilder, bildakte und künstlerische produktionen direkt vorgestellt. es impliziert räumliche und essayistische dimensionen, fakten, tatsachen und auch vorstellungsmomente, die noch unbekannt sind. in der verpackung der kunstschaffenden wird es hergestellt. da das internet zwar kaum überall, doch von überall global erreichbar wird. heute, da sich »Lecture Performance» zu »LecturePerfomance» zu terminierter «LecturePerformance» exponentiell zu vermehren und zu verbreiten scheint.

gegenwärtige kunstaktionen und -reflexionen sowie #kunsttalks zusätzlich relativieren und kritisieren.

entwickeln und hervorbringen: merkmale, aspekte, formen bis zum format. es präsentiert anschlüsse, zugänge, verbindungen, wege, passagen und zonen zu kunsthistorien und ästhetischen modellen und theorien. in aktueller (hyper-)gegenwartskunst: kunstforschung. in künstlerischer und kunstbasierter forschung wird dies möglichst offen und kollektiv versucht. intervention-en greifen, im gegensatz zur beratung, im engen sinne direkt und spontan in das aktuelle geschehen ein: in die interaktionen zwischen menschen zu maschinen zu menschen kommunikation. Vermutlich, um die unerwünschten ästhetischen phänomene gar nicht (erst) entstehen zu lassen.

hauptverkehrsknotenpunkte versucht jede-r künstler*in der kunstderkunst-therapie nach möglichkeit bewusst zu vermeiden, zu umgehen oder zu umfahren. ja, gerade und nahezu diesen auszuweichen, um den weg, parcour und roten faden der geschichte – erzählung (matrix -indexkalität) im bild und text selbst zu ermitteln und darzustellen.

seventeengallery.com.

Um Missverständnisse vorweg aufzuklären, falls es überhaupt möglich ist: im Alltag wird unter Hedonist jemand oder jedwede-r verstanden, der nicht gerne arbeitet und andere für sich schaffen lässt. Sich gemütlich zurücklehnt – aber nicht jemand – der das gelungene Leben sucht. Das gelungene Leben ist das philosophische Verständnis des Hedonismus, welches schon die alten Griechen erkannt haben. Im ungefähr vierten vorchristlichen Jahrhundert haben einige Denker darauf hingewiesen, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist und nichts darauf hinweist, dass es so etwas wie ein Weiterleben nach dem Tod und eine unsterbliche Seele gibt.

Damit standen Philosophien im Widerspruch zu Platon, nach dessen Vorstellung die Seele nach dem Tod in ein Schattenreich eintaucht, um dann in irgendeinem höheren Bereich die Unsterblichkeit zu erfahren. Im Gegensatz zu Platons Idealismus sind die Hedonisten empirisch orientiert, sie betonen die Bedeutung des Diesseits. Danach sind wir Menschen ein Stück Natur, wir leben eine Zeit lang und wir haben die Bestimmung, dieses Lebensintervall zu gestalten und irgendwie zu „meistern“. Nur in dem oberflächlichen Alltagsverständnis, bei dem Hedonismus mit „Wein, Weib und Gesang“ identifiziert wird, bedeutet Lebensfreude Verschwendungssucht.

Für die ethischen und ästhetischen Idealisten Kant, Hegel und Fichte u.a. ist die Idee des erfreulichen, glücklichen und optimalen Lebens nur ein wertloses Beiwerk. Die Idee allein ist auch nicht geschützt. Danach ist es bedeutungslos, ob Menschen sich gut fühlen und ob ihr Leben gelungen ist, Hauptsache sie tun ihre Pflicht. Der Mensch – aus kantischer Sicht – ist ein Pflichtautomat und kein «Arbeitstier» oder Gewohnheitstier. Und was moralisch ist und was nicht, wird durch die Ethik bestimmt. Ein Beispiel ist der kategorische Imperativ Immanuel Kants: Handle so, dass die Grundsätze deines Handelns ein allgemeines Gesetz sein könnten. Jede Ethik macht also Vorgaben, jenseits derer es keine tieferen Begründungen gibt.

Und selbst die Wissenschaft benötigt solche Axiome, auch die Quantenphysik oder Naturwissenschaften halten keine *Letztbegründung* bereit. Ebensowenig gibt es k-einen Ursprung der Ethik und Ästhetik, aus dem Werte und Urteilskraft entstehen, die kommuniziert werden. Einige haben mir häufiger vorgeworfen und mich darauf hingewiesen, dass ich idealistisch agiere und argumentiere im visuellen Kunstschaffen und künstlerischen Forschen. Diese alten und längst überholten Verbindungen, „alten Zöpfe“ und männlichen „Vorbilder“ an Philosophen und Künstlern, deren Konzepte und Theorien seien abzuschneiden oder hätte ich abzuschneiden. Abzutrennen, sich davon zu distanzieren, anstatt sich mit ihnen in Kontexten zu verbinden und diese zusammenzufügen.

Weinflache bis Armleuchter im All
Bilder und Bildakte der Künstlerinnen der Kunst der Kunst-Therapien „Geheimes Wissen“?
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Kunst

kunstprozesse – call for paper

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©©Lucia Baruelli

Kunst mit möglichen Formen als Therapie, Pädagogik, kreative Erfahrung und konzeptionelles Denken zeigt sich nach Meinung von Lucia Baruelli als wesentlich in der Arbeit mit Menschen mit einer Diagnose aus dem Autismus-Spektrum. Bei der Arbeit mit Kunst werden die beiden wichtigen Aspekte der Wahrnehmung und des Arbeitsprozesses (Exekutive Funktionen) stark angesprochen.

Das Handbuch (work in process) beschreibt den Kunstprozess als Instrument in der Arbeit mit Menschen aus dem Autismus-Spektrum und sammelt Übungen und spezifische Tätigkeiten. Das Handbuch möchte als Instrument anderen Therapeutinnen und Pädagogen dienen und sammelt auch die Erfahrungen von anderen internationalen Kunsttherapeutinnen.

Falls Sie in diesem Bereich Erfahrungen gesammelt haben, freut sich Lucia Baruelli auf Ihre Kontaktaufnahme und einen Austausch.

Für mehr Informationen melden Sie sich per Kontaktformular.

https://www.baruellistudio.com/kunstprozesse-autismus-spektrum

Liebe Alle
Ich suche eine Stellvertretung für mich: 40% Kunsttherapeutin Akutstation Psychiatrie im Spital in Interlaken Oktober bis Februar 2019 (ungefähr).
Ich habe schon eine, eventuell zwei Kandidatinnen, aber vielleicht habt ihr sonst noch jemanden zu empfehlen? 
Ganz liebe Grüße und danke im Voraus!
Lucia

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Allgemein «#DieKunst» Fotografisches kunstprozesse transdisziplinär

bildakte im illustrativen

hergestellt von Maja Seifert bis 2020

©©Maja Seifert Metz

„jeder einheitliche Zugang zur Bildlichkeit, jede kohärente (zusammenhängende) Ikonologie läuft Gefahr, wie Erwin Panofsky warnte, dass sie sich zur Ikonographie »nicht wie Ethnologie zu Ethnographie, sondern wie Astrologie zu Astrographie verhalten wird“ (vgl. Erwin Panofsky, Sinn und Deutung in der bildenden Kunst, Köln 1978, S.42).

Bildakte, die mithin sich «selbst» enthalten werden oft als «Bild im Bild» gesehen, erkannt sowie verstanden.

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Ausstellung Fotografisches integrative Forschung Kunst transdisziplinär

bildakte im fotografischen: malerische assemblagen sowie collagen von Blazenka Kostolna ab 2015-2020

Das Vermächtnis

Abbild und Vorbild im fotografischen zu Lebensgeschichten werden im Fokus sein.

Wird «Ästhetik» und «haptische Wahrnehmung» des «Bildakts» im fotografischen durch malerische Assemblagen und Collagen intensiviert? Welche Lebensgeschichten werden erzählt? Was passiert, wenn die Künstler*in es selbst aufzuschreiben beginnt? Wenn sie aus dem gedruckten Buch öffentlich vorzulesen beginnt? Wird diese Intervention und Investigation als aktuelle und zeitgemässe Form visueller Gegenwartskunst nur im Lokalen wahrgenommen?

Werden (typisch) männliche und weibliche Ausrichtungen des Blickwinkels, der Blickweisen und auch Perspektiven (nur ästhetisch) kommuniziert? An welchen Merkmalen werden sie identifiziert, kultiviert und bis heute sozialisiert? Wie werden diese bevor urteilt und anderes bewertet, wenn sie von der Künstler*in selbst und direkt «aktualisierend» vor unbekanntem Publikum gelesen und hergestellt werden?

«der kunstbegriff» ist frei.

TEXT ZUR MEINER COLLAGEN-AUSSTELLUNG

Collage-Technik ist die systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene – und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt … Max Ernst

Es ist aber auch etwas mehr, es ist die Kunst des Geschichten zu erzählens. Die Collagen widerspiegeln immer eine emotionale Befindlichkeit, oder sind fiktive Traumwanderungen durch den Tag. In den alten wie auch in den neuen Arbeiten, geschieht dasselbe: Die emotionale Ebene verselbständigt sich und bestimmt das Erscheinungsbild. Versetzt in den Zustand überschätzter Grenzenlosigkeit und Masslosigkeit meiner Vorstellungskraft, wird mir erklärt, was gerade mit mir passiert. Die Collagen sind meiner Meinung nach nicht erklärungsbedürftig, sie wirken optisch auf das Gemüt – jede Interpretation ist unweigerlich durch die eigene Lebenserfahrung geprägt. Das Erkennungszeichen meiner Arbeiten ist ein strenges Gesetz der Farbe, Ordnung und Komposition, die alle eine Sache der Intuition sind. Ein Widerspruch zu meiner fast nervösen, chaotischen Lebenshaltung? Nein. Es ist der Inhalt, der dies widerlegt. Es ist nicht die Form, die Auswahl der Bilder oder die Komposition, sondern das Endprodukt, als mythologische Fiktion, Vision sowie als Dokument und vor allem die Poesie und die Kunst des Erzählens.

Die Entstehung der einzelnen Collagen (eigentlich Geschichten) ist ein zeitlich unbegrenzter Prozess einer Idee (Geburt und Entwicklung) zugleich. Ich male zuerst den Hintergrund, ohne zu wissen, welche Erzählung sich auf diesen vertrauensvoll hinlegen wird, als würde sie so endlich nach Hause kommen. Es ist eine Reflexion auf die Aussenwelt, das Erlebte, oder erfahrene, welches angesprochen und ausgesprochen sich manifestieren und definieren will. Ich bin oft tage-, monatelang auf der Suche nach Bildmaterial, welches mich anspricht um dem ungeduldigen und undefinierten Gefühl endlich ein Gesicht zu verleihen und es so zu verlieren …

UND KURZ FÜR DIE EINLADUNG:

DER SPIRITUELLE MENSCH IM PROGRESS –

EIN MYTHOS EINVERLEIBT IN DIE GESCHICHTE DER GEGENWART

In der Wiederholung und im Recyclingprozess. Im Leben und in der Kunst. Die Veränderungen der Lebensstrukturen und -bedingungen eilen uns voraus, sind schneller, als die uns vertraute Zeit und der Unterschied zwischen den Generationen nimmt Dimensionen an, die Angst machen. Und doch bleibt der Mensch in seinem Wesen unveränderlich. Er fragt weiterhin, wer er ist, woher er kommt, wohin er geht und wo der Sinn seines Daseins ist.

So auch die Kunst, die festhält, dokumentiert, vergleicht, gestaltet und visioniert, keine konkreten Antworten gibt, keine Erlösung bringt, sondern unbarmherzig weiter fragt. Ich auch …

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violett oder lila die farbe der frau

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rosa oder rot die farbe der rose
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grau und bemoost die farbe der statue in stein

©©Blazenka Kostolna

angesichts
handgreiflich

tränenfluss
der aufschrei

frauen haben es selbst in der hand



Serienbilder (Collagen) Blazenka Kostolna 2019

Parallelaktionen – in-formell – die Collagen einbinden, die sich mit Malerei und Texten zu Geschichten und Erzählungen der Künstler*in-nen verbinden.

https://www.kulturzueri.ch/kulturdatenbank-zurich/veranstaltungen/1105-1140-vorlesetag_im_schiffbau/

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Kunst

bildakte im malerischen

Porträts hergestellt von Norma E. Prina seit 2015 -2020

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©©Norma E. Prina

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Kunst

Das letzte Wunsch-SELFIE

oder wie würde dein letztes SELFIE aussehen, wenn Du wüsstest, Du müsstest bald sterben? Mit was für einem oder welchem SELFIE würdest Du Dich verabschieden wollen, oder was für eine Message soll das letzte SELFIE von Dir haben?

Diese Fragen habe ich (Maja Seifert Metz) mit verschiedenen Menschen aus dem Freundeskreis, Familie und Teamkollegen diskutiert. Das war sehr spannend. Zuerst stiess diese Frage auf grössere Widersprüche, weil keiner zuerst – trotz medialem Zeitalter und steter Handybegleitung – von sich in diesem Moment ein SELFIE machen würde. Die Erweiterung von SELFIE zu „Selbstportrait“ oder „Ausdruck von Selbst“ brachte Erleichterung. Es liess den Redefluss als Gespräch, Dialog und Erzählung entstehen mit dem ein letztes SELFIE vorgestellt und beschrieben wurde. Die Namen habe ich geändert, fand es aber wichtig und bedeutend für den Blickwinkel das Alter in Jahren anzugeben, um Rückschlüsse auf Generations-, Gender- und Lebenserfahrungen der Interviewten zu eröffnen. Hier die Antworten der Befragung:

Klara, 29 Jahre: Da müsste eine Gestalt von hinten drauf sein. Das bin ich. Die Szene ist sehr schattenhaft, nicht ganz klare Umrisse. Ich habe eine weite bunte Hose an in weinrot und türkis. Im Hintergrund ist das Meer zu sehen, die Weite gibt einen guten Schnauf. Es wäre alles in der Abenddämmerung, die Sonne geht gerade unter, und ich schaue da von einem Hügel auf das Meer hinaus. Ein knorriger Ast hängt ins Bild von links nach rechts.

Thomas, 43 Jahre: Für mich wäre das ein schwarzweiss Portrait. Ich käme auf jeden Fall frisch vom Coiffeur (hat sehr kurze Haare) und im Hintergrund wäre etwas, was mir lieb ist. Ich mag die Berge und diesen Blick in den Gletscher vom Haus aus. Ich mag auch den Fluss neben dem Haus mit den grossen Steinen und dem eiskalten Bergwasser. Ich mag auch meine Obstbäume, überhaupt Bäume. Ja, das passt doch, es ist von allem etwas drauf.

Ellen, 55 Jahre: Im Vordergrund wäre mein Erdbeerbeet. Da habe ich so lange drum gekämpft gegen die Schnecken. Ich liebe den Duft von Erdbeeren, damit wäre ich gerne umrahmt. Ich stehe also dahinter im Garten mit diesem Strohhut, den keiner leiden konnte, es ist Sommer und alles wächst und gedeiht, ich bin glücklich diese Fülle zurücklassen zu können für meine Familie. Der Garten soll ihnen gut tun und ein Ort sein, in dem sie sich gerne aufhalten. Die Schaukel müsste auch drauf sein auf dem SELFIE.

Sabrina, 34 Jahre: Tücher. Auf dem Bild sehe ich viele Tücher in Weiss und Grau Tönen, wie auf einer Wäscheleine, ohne dass du die Wäscheleine sehen kannst. Die Sonne scheint von hinten durch die vielen Tücher, sie bewegen sich und sind in vielen Schichten übereinander gehängt, gerafft in grosse und kleine Falten. Das Geräusch wäre wichtig von dem sich bewegenden Stoff im Wind. Es rauscht so schön. Eine weibliche Schattengestalt (das bin wohl ich) hängt die Tücher auf und ab in Endlosschlaufe.

Peter, 33 Jahre: Ich bin schon mal den berühmten Pilgerweg durch Spanien gelaufen. Auf meinem letzten Bild wäre auf jeden Fall ein Stück staubiger Weg zu sehen, die Sonne brennt, es ist vielleicht Mittagszeit. Am Wegesrand ein alter Olivenbaum. Lädt mit seinen knorrigen Ästen zum Ausruhen in seinem Schatten ein. Dankbarkeit verbinde ich damit und freue mich, meine gefüllte Trinkflasche dabeizuhaben.

John, 24 Jahre: Ich mag keine SELFIEs. Aus dem Grund wäre mein letztes SELFIE genauso, wie alle anderen, ein Zufallsbild von einer Situation, die ich gerne in Erinnerung behalten wollen würde. Ich würde auf dem Bild lächeln. Es würde etwas zeigen, was mir Spass macht, Snowboarden z.B. oder segeln, oder eine Lightshow aufbauen! Es sollte etwas Wesentliches von mir zeigen. Es wäre kein Bild für Fremde, deren Reaktionen sind mir egal. Es wäre für meine Familie und Freunde und soll Freude beim Betrachten auslösen und mich so in Erinnerung rufen: Das Leben gefällt mir.

Dorothea, 73 Jahre: Ich sehe mich allein. Indirekt ist meine Familie bei mir. Für mein letztes SELFIE werde ich mich barfuss mitten auf einen grünen, leicht gerundeten Hügel setzen. Über mir der weite, offene Himmel. Meine sitzende Gestalt wird nicht besonders gross sein, aber ich werde verbunden sein mit der Erde unter und dem Licht über mir. In meiner Hand werde ich eine blühende Sonnenblume halten, die höher ist als ich. Neben mir soll es klares Wasser geben, eine grosse Schale oder einen Krug und ich werde das Wort JA ins Gras schreiben.

Maren, 45 Jahre:Ein Selbstbild? Ein vergänglicher Abdruck. Fusspuren im Sand am Meer. Die Weite vom Meer und der Wind und das Rauschen von Wellen. Es ist ein liebliches Meer, zarte Morgenröte, türkisblau der Himmel. Die Wellen waschen sanft die Fusspuren nach und nach wieder weg. In der Vertiefung bleiben vielleicht ein paar Muscheln zurück und vom Meer geschliffenes, grünes Glas. Du siehst nur die Füsse, die durch den Sand an der Wasserkante entlanggehen. Ich denke, mein SELFIE wäre ein Video, ein bisschen überbelichtet. Die Geräusche und die Gerüche spielen eine wichtige Rolle.

Lukas, 35 Jahre:Für mich spielen die Gegenstände keine Rolle. Wenn ich sterbe bleibt alles zurück. Die anderen müssen meine Sachen aufräumen. Ist das dann Müll?? Zurückgebliebenes. Keine leichte Aufgabe für die Nachwelt. Ich glaube, ich würde am meisten meine Bücher vermissen. Auf dem SELFIE wäre auf jeden Fall „Die Enzyklopädie der Neuzeit“.

Erich, 76 Jahre: Ein letztes Bild von mir? Für meine Enkel. Ich war 52 Jahre verheiratet. Meine Frau Susa ist dieses Jahr im Mai gestorben. Es ist nicht einfach ohne sie, das macht mir zu schaffen. Die plötzliche Einsamkeit ist es. Das macht mir Kummer. Vor fünf Jahren starb unser ältester Sohn bei einem Motoradunfall. Eltern sollten nicht ihre Kinder überleben. Für das SELFIE wünschte ich mich mit meiner Frau unter unseren Apfelbaum, auf der Bank sitzend.

Imke, 38 Jahre:Wahrscheinlich wäre es so wie immer. Alles verwackelt, unscharf, etwas nebulös. Ist das nun der Hund oder das Sofakissen?! Verwaschenes Bunt, unten ein bisschen grau. Das steht für nicht so gut gelungene Sachen…. JFür meine Eitelkeit, für meinen Dickschädel, für mein Nicht-Verzeihen.

Heidi, 57 Jahre: Ist das dein Ernst? Wer macht denn von sich ein „letztes SELFIE“? – Also gut. Es wäre etwas darauf zu sehen, was mir grosse Freude macht. Mir gefällt besonders gut das Labyrinth von Chartres und ich bin schon ein paar Mal hindurch gewandert, durch die Lotusblüte in der Mitte, hinaus in die Zukunft. Das war sehr beeindruckend und ich habe dabei gedacht, wie gut das zu meinem Lebensweg passt. Einen Schritt vor, zwei zurück. Es ist ein ziemliches Stück Arbeit, bis du das fertig „gelismet“ (gestrickt) hast, sozusagen.

Adrian, 52 Jahre: Ich war mal vor ein paar Jahren in Afrika. Da habe ich zum ersten Mal bunte Särge gesehen. So ein Sarg repräsentiert dann etwas von dir, was für dich wichtig war, was unverwechselbar mit deinem Beruf, deiner Familie zu tun hatte. Diese Idee stammt ursprünglich aus Ghana und ich finde sie wirklich grossartig! So ein knallbunter Fisch aus Holz in Überlebensgrösse, eine riesige Colaflasche, ein Haus nach deinen Wünschen. Das finde ich sehr faszinierend. Stell dir das mal bei uns vor….. Auf meinem SELFIE wäre mein Sarg, ein grosser Hase, die Pfoten gekreuzt, mit sehr ernstem Gesichtsausdruck…

 Dude, 34 Jahre: Auf meinem SELFIE ist es mega sonnig und minus 21°C kalt. Strahlend blauer Himmel leuchtet über die Winterschneeberge auf dem Corvatsch / St. Moritz. Ich springe mit meinem Board über die 10 Meter Klippe und habe ein strahlendes Lächeln im Gesicht!

 Rebecca, 46 Jahre: Also, wegen des SELFIEs: ich weiss nicht so wirklich, weil es so ziemlich das letzte ist, an was ich denken würde… wahrscheinlich wäre mir wichtig, dass mein Mann und meine Familie, sowie meine Glaubensgeschwister sehen könnten, dass mein Glaube immer noch stark ist. Vielleicht würde ich ein Bild mit einem Bibelvers von der Auferstehungshoffnung machen, um sie auch zu ermuntern.

Silvana, 49 Jahre:ich lächle frech in die Kamera, links hinter mir steht Superman, wahnsinnig muskulös, rechts hinter mir steht Batman, wahnsinnig muskulös…. Die beiden stehen sich hinter mir gegenüber, die Arme verschränkt, sehen sich mit Superheldenblick in die Augen. Dahinter ein trüber Himmel, in knalligem Rot ihre Erkennungssignatur zu einem Siegel gemischt. Da kann doch nichts mehr passieren, oder?

Matti, 37 Jahre: das kommt darauf an. Wenn ich todkrank wäre und furchtbar aussehen würde, würde ich ein NachtbildSELFIE von mir machen. Ich würde bestimmt wollen, dass man mich positiv in Erinnerung behält. Da lichte ich etwas Schönes und fröhliches von mir ab, und nicht mich in todkrankem Zustand. Das wäre draussen in der Natur, vielleicht mit meinem Hund, oder Freunden beim Bergsteigen und Klettern. Könnte mir auch gut vorstellen das SELFIE so kreativ mit dem Photoshop Programm zu bearbeiten, damit es schön aussieht. Die Leute sollen mich fröhlich in Erinnerung behalten. Schlechtes gibt es genug auf der Welt.

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„Montag ist ein roter Tag“– Kunsttherapie mit kognitiv beeinträchtigten Erwachsenen

Gleich hinter der Tür des Ateliers im Heim Im Grüt – meinem momentanen Arbeitsort – finden sich ehemals weisse Malschürzen. Sie sind über die Jahre wild und bunt bespritzt, die Flecken gehen beim Waschen kaum mehr heraus. So sind sie zu Zeitzeugen eines intensiven Schaffensprozesses geworden. Die teilnehmenden Klienten haben keine Probleme ihr benötigtes Material, Pinsel und Farben, Stifte und Papier, Leim, Karton, Schere, Faden und vieles mehr zu finden. Berührungsängste, sich kraftvoll in ihrer eigenen Art künstlerisch auszudrücken und ihre Werke den anderen zu präsentieren, finden sich hier selten.

Im Fokus steht dabei für mich das ganz individuelle Arbeiten mit den Klienten. Jeder bringt eine andere Frage mit, hat andere Fähigkeiten und Möglichkeiten, jeder möchte eine andere Antwort finden. In der Erfahrung zeigte sich, dass dabei die pädagogische, rezeptive KT für das therapeutische Arbeiten eine wichtige Grundlage bildet. Ich arbeite gerne in Gruppen, da hier, vereint durch das künstlerische Tun, die schwierigsten Klienten nebeneinander bestehen können und allein dadurch bereits eine Stärkung des Selbstwertgefühls entstehen kann.

Die Klienten möchten am Ende der Therapieeinheiten gerne ein „gutes Ergebnis“ haben, dass sie in ihrem Zimmer aufhängen oder der Welt in einer Ausstellung zeigen wollen. Eine grosse Herausforderung für mich als Therapeutin, sie in ihrem kreativen Prozess auch mit Widerstand und Krise zu konfrontieren. Dies gelingt durch verschiedene therapeutische Methoden, sowie z.B. das Variieren von Techniken oder Materialien. Fantasievolle Ideen sind dabei gefragt, um ein therapeutisches, reflektierendes Arbeiten, neben dem künstlerischen Fokus  zu ermöglichen. 2014 gestalteten die Klienten in einem Projekt ihr eigenes Kunstbuch bildWORTbildWORT. Zu von ihnen gestalteten, ausgewählten Bildern entstanden eindrückliche Texte, die als Buch bestellt und angesehen werden können unter: http://www.heimimgruet.ch.

Immer wieder wird durch das kreative Arbeiten etwas angestossen, was zu einer verblüffenden Selbsterkenntnis über eigene Fähigkeiten und Ressourcen führen kann. Gelingt es über das künstlerische Tun und die eigene Auseinandersetzung eine Verankerung bis in den Lebensalltag hinein zu etablieren, „ist Montag ein roter Tag“, wie ein Klient freudig mitteilte.

Seit ein paar Jahren habe ich gute Erfahrung mit dem gemeinsamen Malen und Gestalten von Kunstwerken gemacht. Hierbei können auch Klienten mit begrenzten motorischen Fähigkeiten künstlerisch ihrem Selbst Ausdruck geben. Das Recherchieren von Sujets, Form und Materialwahl sowie die anschliessende Umsetzung geschieht in einem partnerschaftlichen Prozess, in dem alle Beteiligten wachsen können.

April 2018

Maja Seifert Metz

Sozialpädagogin, prozessorientierte Kunsttherapeutin APK, Studentin der skdz

Links:

http://www.heimimgruet.ch

http://www.khsdornach.org/Galerie_2015_Urs.417.0.html