Kategorien
#kunsttalk

Hoffnung

Und die Stiefel die Mützen die Taschen, sie grölten vor Behagen und nannten sich die Hocherweckten die Modernen die Richtigen und freuten sich ihrer …

Hoffnung

Hoffnung schmeckt hier wie die moderne #Biographik oder #Metabiographik, die genau das Alltägliche – Dinge, die „nichts als ihr häufiges Vorkommen betrachtenswert macht“ -, das dem Lesenden des Textes erlaube, sich mit ihren Objekten zu identifizieren. Und die Thematisierung des Alltäglichen, im Häuslichen und des Privaten, vermag es, Unterschiede zu relativieren und allgemeine Erfahrungen des Lebens, die von allen Menschen geteilt werden (können als erlesen), hervorzuheben. Dieser Text entwickelt die Vision der Hoffnung als Vehikel von Identifikation und Empathie über Grenzen hinweg und zwar in einige Richtungen des sozialen Spektrums. Und die «Biographie des Dings» ist eine sehr nützlich kalte Dusche für die Literaten, ein hervorragendes Mittel, damit der Schriftsteller, dieser ewige “Anatom des Chaos“, „Bezwinger der Elemente“, sich in einen Menschen mit etwas zeitgemässerer Bildung verwandele; vor allem ist die «Biographie des Dings» deshalb nützlich, weil sie die vom Roman aufgeblähte Persönlichkeit auf ihren Platz stellt. Die kompositionelle Struktur der «Biographie der Dinge» unter dem Titel #HOFFNUNG lässt sich mit einem Fliessband vergleichen, auf dem das Rohprodukt entlang gleitet.

Doch, wie dies literarische Programm praktisch umzusetzen wäre, bei dem nicht der Mensch durch die Dinge hindurchgeht und dadurch geprägt wird, sondern die Dinge durch die Formation oder Zusammenstellung der Menschen gehen und dadurch ihre Gestalt, ihre Funktion und ihren Gebrauchswert als Hoffnungsträger erhalten, das ist schwierig darzustellen und aufzuzeigen.

Am schönsten umgesetzt (und dies fiel mir sogleich wieder ein und auf, da ich diese Methode schon häufiger anwenden durfte) scheint es in der Schreibaufgabe, die Tretjakow (1928) den Leserinnen und Lesern der Zeitschrift Pionerskaja Pravda stellte: Sie sollten die Gegenstände in ihren Taschen inspizieren und sie beschreiben, wodurch über die Geschichte der Dinge indirekte Selbstporträts der Verfasserinnen und Verfasser entstehen. Entscheidend ist die Anleitung zur eigenen kreativen Arbeit bei der Erfahrung der Lebensumwelt. Die Besonderheit dieser Hilfe sah Tretjakow darin, dass die Bewältigung des jeweiligen Materials – Sprache, Farbe, Klang, Raum -, die der #Künstler oder „Seeleningenieur, Seelenkonstrukteur“ vorzeigte, vom Partner (Leser, Zuschauer, Hörer) mitzuleisten ist.

Danke für‘s Training in jedem Fall: Alternativdenken, Orientierungssinn, Gliederungsfähigkeit und Entschlussfreude. Und die Taschen, sie raunten nur ein leichtes Unbehagen …. an diesem winterlichen Sonnenscheinabend

Von matter birgit

#pilotprojekte
#nobreadlessart
#keinebrotloseKunst
#katharinavonzimmern
#kunsttalk1
#diekunst

visual arts - art and scientific re-search _ arthistory
contemporary performance art
projects: #16

3 Antworten auf „Hoffnung“

Ja, danke: Sergej Tretjakow ist aussagekräftig
für die Arbeit der #Schrift #stellenden,
nicht Drucker, Setzer oder Handwerker,
sondern Schriftsteller, KÜNSTLER und Dichter. Und jene, die ein Gestell, Regal oder Schrank mit B¨cheeern pflegen und zusammenstellen.

Werde im neuen Jahr 2023 neue Konstellationen und Zusammenstellungen der vorhandenen Bücher an der Wand und in Kisten vornehmen.

Schi-Chua. Ein junger Chinese erzählt sein Leben.

Und Siegfried Kracauer hob in seiner Rezension des Buches in der Frankfurter Zeitung den „Nutzwert“ dieses biographischen Experiments hervor; Tretjakows Werk sei das „eines ‚operierenden’ Schriftstellers, dessen SCHREIBEN ein HANDELN sein will“. Tretjakow war eine wichtige Vermittler-Figur. Zwar hat Tretjakow, der sehr gut Deutsch sprach, Deutschland erst im Dezember 1930 zum ersten Mal besucht. (Ein Teil seiner Theorien und sein Theaterstück Brülle China‘ aber waren dem Kreis um Brecht spätestens seit 1929 bekannt) 🙂 Viele Grüsse

Gefällt 1 Person

Von Tretjakow habe ich im Regal stehen „Die Arbeit des Schriftstellers“ in der „das neue Buch“-Reihe. Ich blättere gerne in diesen Aufsätzen und finde den Begriff „operatives Schreiben“ sehr gelungen, das formend und durchformend an die Welt und sich selbst und die eigene Erzählposition herangeht. Ein literarisches Programm, dass durch die Dinge hindurchgeht, die Erlebnisse erinnerungstechnisch rekonfiguriert, inspiriert mich sehr – Sprache, um mit Benjamin zu sprechen, als Konstellation eines auf sich selbst gestellten und erweiterten Erinnerungs- und Antizipationsvermögens 🙂 Viele Grüße!

Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..