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Jetzt über Geld reden nicht?!

LecturePerformance der Künstler Birgit Matter & Günter Lierschof „Jetzt über Geld reden – nicht?!“

Endlich ist es soweit: die Dokumentation der LecturePerformance “Jetzt über Geld reden – nicht?! ist fertig. Doch wie wird es weitergehen? Wollen und können wir bald an andere Orte, in andere Lokale oder Räume im deutschsprachigen Raum reisen, um künstlerisch zu performen. Sobald die »Corona-Massnahmen« gelockert werden. Die Vorbereitungen laufen:

Trotz Ausnahmesituationen und Ausgangssperren in Europa – aufgrund der Pandemie durch den Virus «COVID 19» weltweit – ‚One World: Together at home‘ – zuhause und daheim – in den „eigenen Räumen“ sitzen zu bleiben.

Seit September 2019 läuft die LecturePerformance der Künstler MATTER & LIERSCHOF parallel – gemeinsam – zusammen – weiter. Aufgezeichnet und weiterhin dokumentiert wird. Nachdem die Speicherkarte mit den Filmen mehrmals per Post hin und hergeschickt wurde, lehrt es uns: per Einschreiben «Material» zu adressieren und zu versenden. Die Grundprinzipien der «Materialien» – «Dinge» – «Zeugs» – «Sachen» – «Bilder» – «Zeichnungen» haben sich seit der Erfindung der Fotografie bis heute in einigen Punkten zwar extrem verändert, in anderen sind sie aber auch gleich geblieben. Worin sie gleich geblieben sind: der physikalisch-chemische Vorgang: Lichtverteilungen auf dem Trägermaterial aufzuzeichnen.

So lästig es auch sein mag: Ich wollte mehr darüber wissen. Nicht nur, weil vieles aus der digitalen Welt Parallelen zur Wirklichkeit aufweisen. (Etwa, dass die Größe des Filmkorns und die Größe der lichtempfindlichen Dioden auf einem Kamerasensor über Bildrauschen bzw. Korn und Lichtempfindlichkeit entscheiden). Da es sich um das technische, kulturelle und künstlerische Erbe handelt – welche die Basis bilden für diese Kunstform: LecturePerformance.

Wir scheinen heute die Rationalisierung der Sinne zu erleben. Die Kunst der Verfeinerung, und die Aufmerksamkeit für Details, Vertiefungen und bedächtige Auseinandersetzungen werden vernachlässigt. (In meinem bestechend leichten Text über das Konzept – Ei – Weiss – Farbe-n usw. wird sich dieser Tendenz entgegengesetzt – in stillen Bilderfolgen. Um Beiträge zur Anthropologie des schöpferischen Menschen, Körpers und Leibs selbst in den Focus zu rücken). Welche sich in das Konzept der Leere (utsu/emptiness), genauer das der Hohlheit (karappo) einbettet. Es wird auch als Kommunikationstechnik bezeichnet. Sobald Menschen miteinander in Kontakt treten, werfen sie einander nicht einseitige Informationen zu, sondern machen sich in der Regel ein Bild von ihrem Gegenüber. Verständigung hängt also nicht davon ab, wie überzeugend ein Argument ist. Wie es vorgetragen, erzählt oder erklärt wird, sondern wie wir unserem Gegenüber zuhören.

Deshalb haben die Menschen im Laufe der Geschichte begonnen, sich etwas für die Kommunikation nutzbar zu machen, das hohlen Gefässen ähnelt.

Anders als Zeichen, die in ihrer Bedeutung auf bestimmte Weise eingeschränkt sind, fungieren beispielsweise in ihrer Einfachheit unübertroffene Symbole wie die rote Sonnenscheibe auf der japanischen Flagge. Oder ein Pfahl oder Kreuz wie grosse, hohle Gefässe, die jedes Bild in sich aufnehmen können, das sich die Menschen von ihnen machen. Unter das Konzept der Leere fallen Vakuum sowie auch die riesigen, leeren Räume von Grabanlagen oder Kirchen sowie Teehäuser und Gartenanlagen. An monumentale Bauten wie Pyramiden, Kathedralen und Hochhäuser sowie Monumente wie Grabsteine und Denkmäler wäre sofort zu denken. Es hat mich anfangs dazu bewogen etwas über Stille und Leere zu schreiben. Aber während ich daran arbeite, kam ich der Farbe weiss auf die Spur. Für Günter Lierschof ist weiss die Farbe. Wenn ich hier schwarz auf weiss schreibe, kann es passieren, dass «WEISS» nicht mehr als weisse Farbe betrachten wird. Oder wenn Günter mit weisser Farbe auf das schwarzgrundierte Blatt zeichnet, malt oder schreibt. Dies ist das Zeichen dafür, dass sich die Wahrnehmung feiner abgestuft entwickeln wird. Vermutlich wird das, was wirklich «weiss» war, plötzlich noch leuchtender erscheinen. Je sensibler Weiss wahrgenommen wird, desto feinfühliger werden auch die Schatten differenziert.

Wenn wir jetzt unser Augenmerk darauf legen, dass die Farbe (sowie vermutlich auch das Geld) von jedem Menschen individuell entdeckt wird. Liegt dann nicht der Kern der Gefühle in der Rührung darüber, wie wir die Farben entdecken. Und das genau dieser Aspekt in den Farbnamen mitschwingt? Es gibt in der Natur keine Farbe, die isoliert und unabhängig existiert: Farbe verändert sich mit der subtilen Abstufung des Lichts, wie jede-r weiss. Hieraus entstehen Eigenschaften, denen durch Worte klare Konturen verliehen werden. Ich bin zutiefst davon geprägt, dass diese sprachlichen Entsprechungen zutreffen und irritiert, wenn sie nicht entsprechen.

Die Farben sind in jedem Kulturkreis traditionell in Form von Farbbezeichnungen erhalten (geblieben), in denen sich die Farbauffassung und das Farbverständnis spiegeln.

In der japanischen Etymologie bezeichnet das Wort iro (Farbe) auch den Geliebten / die Geliebte. Es ist in viel weitere Bedeutungsfelder eingebettet als unsere heutige Auffassung von Farbe. Sobald wir Farben beurteilen, sind wir – ob zum Guten oder Schlechten sei dahingestellt – unwillkürlich durch die Farbstifte oder Buntstifte geprägt, mit denen wir in der Kindheit gemalt haben. Die unsere Vorstellung davon bestimmen, welche Farbe das Wasser hat oder welche Farbe die Haut oder der Körper haben. Aber was wäre, wenn es keine Parameter und nur sehr, sehr wenige Wörter gäbe, um Farben zu benennen?

Günter, was ist mit dem blauen Elefanten und seinen quadratischen Ohren?

Von bimatter

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