Anfangen

Anfang – alles dreht sich um das Anfangen – etwas anzufangen: danke. Die Wendung zum brieflichen Affekt kommt etwas unerwartet. Die Welt der digitalen Gefühle wurde früher eher etwas robust und wenig differenziert imaginiert. Die Beliebtheit der brieflichen Ansprache beruht auf ihrer aufdringlichen Verfügbarkeit und Adressierung.

Text ist heute das jederzeit vorhandene Medium – kostengünstiger Notbehelf. Es bedarf weder komplizierter Technik noch sperriger Gerätschaften, Bibliotheken, Schreibmaschinen mit Farbbändern, Drucker, Anspitzer, sonstiger Materialien oder spezieller Aufwendungen. Elementare Lese- und Schreibfähigkeiten sowie eine gewisse Händigkeit reichen aus. Der Anschluss ins Internet mit Smart phone, Natel oder Handy, Laptop, Tablett, Computer oder Rechner mit einem oder mehreren Bildschirmen muss vorhanden sein, um das hier zu sehen: Alles ist erlaubt, um Zugänge zur digitalen Gesellschaft und nächsten Gesellschaft (re:publica oder republicdomain etc.) in Text und Bild zu finden: Künstlerische Aktionsformen – Vitalitätsformen – Experimentalformen – jetzt, der humane Aufschrei und die Sprache, die sich ermächtigt. Wobei Endgeräte, Maschinen, Techniken und Programme weniger interessieren, doch die entscheidende Rolle mit spielen, wenn es funktioniert.

Jede*r freut sich, wenn es funktioniert.

Zurzeit verschmilzt es noch eher zur viktorianischen Affektökonomie mit verknappter Sprache, Rede und Performance sowie Fragen zu «Blog», »Vlog« und «Feature» sowie deren Möglichkeiten und Vernetzungen. Flüssige Essays, Erzählungen im Rede- und Textfluss der Visualierung – Bildfahrzeuge – Bilderfluten – Skulpturen in Filmsequenzen, die noch nicht geschnitten und musikalisch untermalt oder zusammengefasst sind, um das Fazit zu präsentieren, die Zusammenfassung zu schreiben und zu repräsentieren?

Vlogs: Gorillia und Media? Aloïse Corbaz oder Robert Walser? Auf nach Basel, Bregenz, Biel, Bern, Berlin, Wien, New York, London etc. die Beziehungsgeschichten zwischen deutsch & englischsprachigem sowie wieder zurück oder vor?

Gleichzeitig unverblümt und keusch, reduziert und zart, kühn und schüchtern bis zurückhaltend, bescheiden, leicht bis affektbeladen – schwer bis verspielt und in jedem Fall: performativ.

Regressiv: Bilder lesen, schreiben, zeichnen und malen?

Expressiv, progressiv, mutiges und ausdrucksstarkes performativ mitzumachen? Bilder, Texte und Projekte selbst gestalten? Komplizierte bis radikale und komplexe Mit-Teilungen zum Bild, Text und Projekt kommunizieren?

Hingegen überlässt komprimierter und entleerter Text es den Gefühlen der Menschen (und später dann auch den Tieren, wie zum Beispiel Katzen, Hunden, Schafen, Huhn, Affen etc.) Leerstellen, Lücken und Zwischenräume zu füllen. Kennst du Leere, kennen Sie Leere? Kennst du leere Plätze – leere Räume? Diese Art der Konzentration, diese Entleerung (im Bataille’schen Sinne, sorry, fiel mir sogerade wieder ein «die innere Erfahrung») stellt letzlich eine Abstraktion der Körper aus ihrer Gegenwart dar. In der Konzentration wird der «Gegenstand» irreal, surreal und ja, sogar antisozial.

Hohle Worte ködern, ziehen sich zurück und spielen nur. Reduktion, Rückzug und Verborgenheit steigern Intensität und Konzentration? Oder sind es die Wiederholung und Übung?

Unterhaltung und Schauplätze der visuellen Kunst werden in Zeiten des globalen Bürgerkriegs weiterhin zu Streiks, Unterlassungen und Freilager werden. Sie fördern die Verhüllungen und Maskierungen. Sie enthüllen die vernetzten Operationen gesellschaftlicher und computerbasierter Erzeugung und Automatisierung: bestimmte und passende Selektion – Präferenz sozusagen. Voreinstellungen maschinellen Sehens und (ästhetischer) Kommunikation, die mit strikt (gekoppelten Ideologien der Präferenzen – wie auch Werbung, Propaganda etc.) der Bild- und Spracherkennung heute funktionieren oder sollte ich besser schreiben: arbeiten_ https://ai.googleblog.com/2015/06/inceptionism-going-deeper-into-neural.html

Dies soweit.

Wird es sich um lexikalische und schöne «Informationen», visuell künstlerische Erfahrungen, wissenschaftliche und theoretische Relevanz oder die Ästhetik des Performativen handeln? Sind zunehmend Verbindungen, Vernetzungen sowie die Zunahme an Verkoppelung / Verlinkung von Text und Bild hier zu erwarten?

Falls ja, dann handelt es sich auch um Kategorisierungen und Namen(s)konventionen typisch weiblicher, männlicher (und gerne auch anderer und unbekannter an- und abwesender) Performer*innen, Performance-Künstler*innen, Autor*innen, Forscher*innen, Wissenschaftler*in, Schriftsteller*innen, Theoretiker*innen, Maler*innen, Beobachter*innen etc. kunstschaffender Menschen, die in der Gegenwart der Maschine zu Maschine Kommunikation sind.

Die Kunstrichtung «Performance», im englischen Sprachraum ”Performance Art“, die sich seit den 1960er Jahren in der Bildenden Kunst entwickelt hat? Weshalb soll denn dazu wissenschaftlich, künstlerisch oder zu einem Bild als Lebensgeschichte geforscht werden? Es ist doch sofort sicht- und abrufbar sowie zu erleben, wie Geschichte und Erzählung sicht- und erkennbar abläuft. Da es als Live-Stream im Fotografischen mit Text audiovisuell aufgenommen und aufgezeichnet ist. Jederzeit wieder abrufbar, wenn es gefunden und angesehen wird.

*Ein Bild ist ein Bild*

Womöglich ist nur sehr wenig wirklich geschehen, gleichzeitig unendlich viel passiert oder es hat sich ereignet. Der (kanadische) Medientheoretiker Marshall McLuhan, der immer wieder und viel zitiert wird, hat 1964 schon den prophetischen Aphorismus geschrieben: «von den Nerven der gesamten Menschheit umgeben. Sie sind nach aussen gewandert und bilden eine elektrische Umwelt».

Entwurf speichern

Zwischendurch aktualisieren, Pause machen, Medienwechsel nicht vergessen und so weiter.

Komplexe Themen müssen, dürfen und sollen komplex bleiben, auch wenn sie (schriftlich – ästhetisch – bildlich – malerisch – mündlich, wissenschaftlich, empirisch etc.) kommuniziert werden. Aber es muss nicht jedes Detail erklärt werden oder gerade doch? Manchmal reicht es, einen Einblick zu gewähren, wie Forschung generell funktioniert, um das Interesse und den «Wissensdurst» zu wecken. Und wenn es nicht funktioniert, dann waren die Formate zu wenig abgestimmt und unpassend. Visualisierung und Bildgebung sowie (ästhetische) Kommunikation und die Ästhetik des Performativen funktionieren sichtbar.

Doch «Wikipedia»oder Medienpädagogik ersetzt selbstverständlich keine Wissenschaft, auch kein visuelles Kunstschaffen und Performativität, denn die folgt einem anderen Code. Wikipedia kann kein akademisches, künstlerisches Werk oder Theoriefindung aufwiegen, es erinnert allenfalls daran, wie unklug es wäre, aus Arroganz das Internet zu meiden und Terrain im Wissensfeld zu verspielen.  Diese Onlineenzyklopädie bleibt ein Mysterium für mich: von einem Kollektiv für alle geschaffen, gratis, omnipräsent. Mit Wikipedia und Wikidata usw. explodiert das Wissen (und auch die visuelle Kunst?). Die Allerweltsenzyklopädie bringt in Erinnerung, wie radikal Demokratie in ihrer Gleichheitsforderung ist. Und sie zeigt, wie wenig sich Gleichheit gerade in Wohlstandsgesellschaften auf Ökonomie reduzieren lässt – wenn Reichtümer wie Wissen und Kunst einfach da sind wie die Luft zum Atmen.

»Warum sollte der Mensch nicht sein Geheimnis haben? Oder ein Tagebuch?« Eva Demski (1999) Zettelchens Traum, über autobiografisches Schreiben sowie visuell künstlerisches Forschen und Kunstschaffen (ästhetisch) kommunizieren. Und es gehört schon einige Ignoranz zur Behauptung, wer realistisch male oder skulpturiere, habe sich gleich einmal die Beachtung des Kunstbetriebs oder der Politik verscherzt.

«Ästhetische Arbeit», «Halbpräsizierungen», «Erzählung» und «Preenactment» wird in dieser Art und Weise und mit diesem Feature auch zur Hyper-Gegenwart. Die Revisionen nach der Veröffentlichung interessieren? Anders als im rückwärtsgewandten Reenactment werden im Preenactment exemplarische Gegenwartsphänomene aufgespürt und mit Performancemitteln in die Zukunft fortgeschrieben. Ausgehend von gegenwärtigen Ökonomisierungen öffentlicher Güter erforschte zum Beispiel das „Preenactment Sprachlabor Babylon“ das Zukunftsszenario einer Privatisierung der Sprache. Klar: was wird passieren, wenn jeder seine (Kunst-)Sprache, seine (Bild-)Sprache, seine (Schreib-)Sprache, seine (Theorie- )Sprache bis (Philosophie-)Sprache etc. entwickelt? Welche Bedeutung und Sinn wird der «Assoziation» bei der Bildbetrachtung zugesprochen?

Die Zunahme an außer- und innereuropäischer Kompetenz (Kunst-, Kultur- oder Religionsvergleich, Ethnologie etc.) macht es immer wieder erforderlich, terminologisch-konzeptuelle Festlegungen zu hinterfragen. Und zwar die, welche explizit oder stillschweigend auf westlicher Tradition und Gewohnheit der Betrachtung des Bildes, Vorbildes und einer Vision beruhen. In deutscher Sprache wird hier noch von Personen geschrieben. Im Licht des audiovisuellen der Live-Streams werden auch andersartige Evidenzen, Erfahrungen und Wahrnehmungen möglich, die Bild- und Kunstbetrachtung zu erweitern.

Entwurfsfragen werden immer auf makroanalytischem Niveau behandelt. Wobei jedoch die Hauptanliegen darin bestehen, angemessene Sprachen für Elastizität und die in ihnen enthaltenen Verhaltens- und Deutungsoptionen für Bild und Text der visuellen Kunst heute herzustellen, zu repräsentieren und zu eröffnen.

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