verknotungen im projekt



An autoscopic moment , 2010 Acrylic on wood,22.5 x 27.5 cm
Gedanken (Self Portrait Series), 1996 Digital Print & A4 Drawings,1.3 x 1.10 m

im fotografischen – workflow und work in progress – birgit matter – bilder befreien den bildakt zur betrachtung

Cafe Gloria Zürich 9.2016 Lucia, Maja, Birgit, Nicole und Blazenka fotografiert

Malerei ist ein Kollektivsingular (Sammelbegriff); wenn das Aussen zum Innen wird oder wenn das Innen zum Aussen wird.

Bereits Platon lässt Sokrates ausführen, dass für die Malerei dasselbe wie für die Sprache gelte. Deren bezeichnende Sache oder Ding nicht etwa in aller Ausführlichkeit zu wiederholen sei, sondern zugreifend durch Auslassung charakterisieren solle. (Beispielsweise die Serie durch Auslassungen der Reihenfolge, das Dreieck durch die Ecke und den Kreis durch Viertelkreise darzustellen). Es gäbe, so Sokrates, weder Worte noch Kunstwerke, wenn diese die Dinge nachahmend lediglich verdoppeln würden. Worte wie Gemälde besitzen durch ihre Fähigkeit zur verknappender Darstellung vielmehr jene klassifikatorische Kraft der bezeichnenden Wiedergabe, die Platon im Timaios etwa Modellen der Astronomie zuerkannt hat. Über Zusammensetzung und Wirkungsweisen des Kosmos „ohne genauere Betrachten der Modelle sprechen zu wollen“ so führt er aus, „wäre vergebliche Mühe“ (Horst Bredekamp 2010, S. 39).

visuelle kunst als praxis kommuniziert ästhetisch

beobachtet und befreit die bilder der kunst der kunsttherapie in aktueller visueller gegenwartskunst

ästhetische wirkungen künstlerischer und gestalterischer bildakte werden heute in «bilderfahrzeugen» oder «bilderwolken» vor hintergründen und modellen mehrer «blick- und effektfelder» vom publikum gesehen und wahrgenommen. investigation und intervention als kunstaktion, künstlerische forschung und performance im öffentlichen raum stellen sich mit praxis des Kunstschaffens her. hier werden sie grafisch bis fotografisch abgebildet. dies impliziert die räumliche dimension, die unbekannt ist, da das internet kaum überall, doch von überall global zu erreichen ist. heute, da sich netzwerke exponentiell zu vermehren scheinen, haben trotzdem viele (menschen) keinen oder finden keinen Zugang zum internet. sie nutzen es (überhaupt) nicht.

kunstaktionen und -reflexionen sowie kunsttalks relativieren und entwickeln neue merkmale, aspekte und formen. falls sie anschlüsse, zugänge und verbindungen zur kunsthistorie und -theorie in aktueller (hyper-)gegenwartskunst und kunstforschung herstellen. die intervention-en greifen, im gegensatz zur beratung, im engen sinne direkt in das geschehen ein, um unerwünschte ästhetische phänomene zu beseitigen oder gar nicht (erst) entstehen zu lassen. im focus des projekts sind kaum die entscheidungs-, sondern handlungs- und aktivitätsprobleme zur künstlerischen forschung über die praktische bildherstellung hinaus.

die sich hier durch verschlingungen – koppelungen, verbindungen, verlinkungen – verknotungen und knotenpunkte sichtbar zeigen, die jede-r (zu vermeiden) sucht. gerade diesen ausweichen möchte, um dem roten faden im (forschungs-)projekt – der geschichte, matrix und index oder dem text – zu folgen.

vielmehr sind und werden es verlinkungen der energie und materie, die über verschiedene bild-träger wandern und menschen, landschaften, politische bis soziale massnahmen, aktivitäten und aktionen sowie gesellschaftssysteme formen und beeinflussen vgl. seventeengallery.com.

Um Missverständnisse aufzuklären: Im Alltag wird unter Hedonist jemand oder jedwede-r verstanden, der nicht gerne arbeitet und andere für sich schaffen lässt. Sich gemütlich zurücklehnt – aber nicht jemand, der das gelungene Leben sucht. Das gelungene Leben ist das philosophische Verständnis des Hedonismus, welches schon die alten Griechen erkannt haben. Im ungefähr vierten vorchristlichen Jahrhundert haben einige Denker darauf hingewiesen, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist und nichts darauf hinweist, dass es so etwas wie ein Weiterleben nach dem Tod und eine unsterbliche Seele gibt. Damit standen Philosophien im Widerspruch zu Platon, nach dessen Vorstellung die Seele nach dem Tod in ein Schattenreich eintaucht, um dann in irgendeinem höheren Bereich die Unsterblichkeit zu erfahren. Im Gegensatz zu Platons Idealismus sind die Hedonisten empirisch orientiert, sie betonen die Bedeutung des Diesseits. Danach sind wir Menschen ein Stück Natur, wir leben eine Zeit lang und wir haben die Bestimmung, dieses Lebensintervall (optimal) zu gestalten oder zu „meistern“. Nur in dem oberflächlichen Alltagsverständnis, bei dem Hedonismus mit „Wein, Weib und Gesang“ identifiziert wird, bedeutet Lebensfreude Verschwendungssucht.

Für die ethischen und ästhetischen Idealisten Kant, Hegel und Fichte u.a. ist die Idee des erfreulichen, glücklichen und optimalen Lebens nur ein wertloses Beiwerk. Danach ist es bedeutungslos, ob Menschen sich gut fühlen und ob ihr Leben gelungen ist, Hauptsache sie tun ihre Pflicht. Der Mensch ist aus kantischer Sicht ein Pflichtautomat. Und was moralisch ist und was nicht, wird durch die Ethik bestimmt. Ein Beispiel ist der kategorische Imperativ Immanuel Kants: Handle so, dass die Grundsätze deines Handelns ein allgemeines Gesetz sein könnten. Jede Ethik macht also Vorgaben, jenseits derer es keine tieferen Begründungen gibt. Selbst die Wissenschaft benötigt solche Axiome, auch die Quantenphysik oder Naturwissenschaften halten keine *Letztbegründung* bereit. Ebensowenig gibt es keinen Ursprung der Ethik und Ästhetik, aus dem Werte und Urteilskraft entstehen. Einige haben mir häufiger vorgeworfen und mich darauf hingewiesen, dass ich idealistisch agiere und argumentiere im visuellen Kunstschaffen. Diese alten und längst überholten Verbindungen, „alten Zöpfe“ und männlichen „Vorbilder“ an Philosophen und Künstlern, seien abzuschneiden und abzutrennen anstatt sich mit ihnen als Kontexte zu verbinden und zusammenzufügen.

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